ALLE SENDUNGEN
Der Ort
Rauhensteingasse 8, 1010 Wien
In der Rauhensteingasse 8 stand Mozarts Sterbehaus, in dem er unter anderem die „Zauberflöte“ und das Requiem komponierte. Das Originalhaus ist abgerissen, heute befindet sich dort ein großes Kaufhaus und in dessen Untergeschoss eine immersive Ausstellung zum Thema Mozart.
Das Thema
Wolfgang Amadeus Mozart lebte und wirkte von 1781-1791 in Wien. Wie kein anderer Künstler vor bzw. nach ihm wurde Mozart nicht nur über seine Kompositionen bekannt, sondern entwickelte sich zu einer weltweit verbreiteten Marke. Sein Konterfei ziert Kaffeetassen, T-Shirts, Süßigkeiten und wirbt für die Legalisierung von Cannabis.
Diese Vermarktung findet aber schon in den Aktivitäten seines Vaters Leopold seinen Anfang und wird später durch seine Gattin Constanze Weber fortgesetzt. Die Marke Mozart entwickelt sich auch zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor im Wiener Tourismus. Das Leben bietet auch eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten, den Mythos publikumswirksam auszubauen. Denn Mozart war nicht nur Vielreisender, sondern auch ein politischer und aufsässiger Geist, dem man durchaus rebellische Eigenschaften zuordnen kann. Wie dieses Ausnahmetalent seinen Alltag organisiert hat und was ihm neben dem Komponieren auch privat umtrieb, hat der Autor und Regisseur Kurt Palm jahrelang recherchiert und in Büchern und Filmen festgehalten.
Zu Gast
Kurt Palm ist österreichischer Autor und Regisseur und beschäftigt sich in Büchern und Filmen mit dem Mythos Mozart. Zuletzt hat er seine Autobiografie „Trockenes Feld“ herausgebracht, das ihm auch als Reisenden und widerspenstigen Geist ausweist.
Tipps
Zum Lesen:
- T1
Zum Download:
- Sar
Der Ort
Graben 22, 1010. Die öffentliche Bedürfnisanstalt am Graben wurde 1905 im Jugendstil errichtet und sollte als Leuchtturmprojekt für die sich international repräsentierende Kaiserstadt dienen. Vor allem für TouristInnen und Flaneure des sogenannten gehobenen Bürgertums gedacht, wurde die Toilette mit teuren Baumaterialien und den damals neuesten hygienischen Errungenschaften ausgestattet. Zeitweise mit Blumengirlanden ausgeschmückt und einem Aquarium versehen, sollte diese Toilette Anlage die Modernität und Eleganz des imperialen Wiens repräsentieren. Doch trotz des offensiv nach außen getragenen Selbstbewusstseins musste der Bau mit Kompromissen leben. So wurde die Anstalt fast verschämt in den Untergrund verbannt und es musste ein Respektabstand zum Stephansdom eingehalten werden. Die Anlage besteht heute noch und steht unter Denkmalschutz.
Das Thema
In der Geschichte der Städte stellte die Beseitigung menschlicher Fäkalien diese immer vor großen Herausforderungen. Die Verrichtung der Notdurft im öffentlichen Raum war nicht nur ein hygienisches und sittliches Problem, die Einrichtung von öffentlichen Bedürfnisanstalten wurde auch immer mit politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fragestellungen verknüpft. Mit der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass nicht beseitigte Fäkalien die Auslöser für zahlreiche Krankheiten sind und dem explosiven Bevölkerungsanstieg in Wien wurden ab Ende des 18.Jahrhundert intensiv nach Lösungen gesucht, wie die enormen Mengen an menschlichen Exkrementen aus der Stadt hinaustransportiert werden könnten. So unternahm die Stadt zahlreiche Versuche, das Hygieneproblem in den Griff zu bekommen. An der Diskussion um öffentliche Toiletten entzündeten sich auch zahlreiche andere Themen, wie z.B. die der geschlechtliche Gleichbehandlung, der Klassenunterschieden und der Sexualpolitik.
Tipps
Zum Lesen:
- Luke Barclay: Es steht ein Klo im Nirgendwo, 2016
- Thomas Bernhard: Alte Meister, 2008
Zum Finden
- Toiletten-Apps: „Where is Public Toilet“ oder „Toilet Finder“
- https://www.wien.gv.at/umwelt/ma48/sauberestadt/wc/
Der Ort
Brigittenauer Sporn 7, 1200
Der Donaukanal ist einer der ehemaligen fünf großen Arme der an Wien vorbeifließenden Donau. Bis zur Donauregulierung 1870-75 und vor der Ausdehnungsbewegung der Stadt bis zum Hauptarm der Donau war der Kanal die wichtigste schiffbare Transportstraße. Der Kanal ist insgesamt 17.3km lang und weist eine Breite zwischen 50-70m auf.
Das Thema
Lange Zeit war der heutige Donaukanal der Hauptarm zur Versorgung der Stadt für Güter, die per Schiff transportiert wurden. Das mittelalterliche Stapelrecht, welches die durchreisenden Kaufleute zwang, ihre Ware eine Zeitlang in Wien feilzubieten, machte die Hauptstadt zu einem wichtigen Handelszentrum. So siedelten sich entlang des Donauarmes zahlreiche Gewerbe- und Handwerksbetriebe an, die in direktem Zusammenhang mit den transportierten Gütern standen. Vor allem Holz-, Nahrungsmittel- und Speditionsbetriebe waren entlang des Kanals zu finden. So gab es um die Innere Stadt entlang des Kanals auch zahlreiche Märkte.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Donaukanal immer wieder befestigt und reguliert, seine endgültige Form erhielt er im Zuge der Donauregulierung 1870-75 und den nachfolgenden Errichtungen von Schleusen und Kaimauern. Auf seiner ganzen Länge finden sich unterschiedlichste Nutzungen wieder: proletarische Massenquartiere, bürgerliche Prachtbauten, Verwaltungs- und Militäreinrichtungen, Industriebetriebe und Aulandschaften. Während des 2.Weltkriegs wurden große Teile des Kanals zerstört, seitdem steht das Gewässer immer wieder im Mittelpunkt stadtplanerischer Überlegungen. Gegenwärtig entwickelt er sich vor allem zu einem der wichtigsten Freizeit- und Erholungsgebiete im Stadtzentrum.
These
Der Donaukanal entwickelte sich über die Jahrhunderte von einem der wichtigsten Versorgungs- und Transportlinien zu einer agilen Zone urbaner Freizeit- und Arbeitsgestaltung.
Tipps
Zum Lesen:
- Hermann Hetzmannseder, Andreas Belwe: Donaukanal. Eine Hommage. 2018.
- Heilfried Seemann, Christian Lunzer: Wiener Donaukanal 1880-1960. 2010. Sonderzahl, Wien 2020
Zum Nachschauen:
Zum Flanieren:
Der Ort
Stubentor, 1010.
Der Wiener Neustädter Kanal erstreckte sich am Höhepunkt seiner Ausdehnung Mitte des 19.Jahrhunderts vom Wiener Stubentor bis nach Wiener Neustadt. Der damals 63 km lange Kanal wurde von zwei Häfen eingefasst, nämlich einem in Wiener Neustadt und einem direkt am Wiener Stubentor bis zur damaligen Stadtmauer, wo sich heute der Schienenverkehrsknotenpunkt Wien Mitte befindet. Der Kanal führte über Wien Landstraße, Simmering, Maria Lanzersdorf, Laxenburg, Guntramsdorf, Baden bis Wiener Neustadt. Derzeit existiert dieser Wasserweg zwischen Guntramsdorf und Wiener Neustadt, die restlichen Teile wurden mit der Zeit zugeschüttet. Heute sind die noch bestehenden Teile beliebte Ausflugsziele für SpaziergängerInnen und RadfahrerInnen bzw. wird die ehemalige Verkehrsader für landwirtschaftliche oder gewerbliche Zwecke genützt.
Das Thema
Im Zuge der Industrialisierung Europas im 18.Jahrhundert waren Kanäle die effizientestenTransportwege von Massengütern. Daher plante die österreichische Verwaltung Ende des 18.Jahrhunderts ein ähnliches Kanalnetz wie in Frankreich oder England einzuführen, um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Dabei war die Schaffung eines künstlichen Kanals von Wien bis zur Adria als Großprojekt geplant. Innerhalb von 6 Jahren Bauzeit wurde das erste Teilstück zwischen Wien und Wiener Neustadt 1803 fertiggestellt. Auf der 63km langen Strecke wurden zahlreiche Schleusen, Brücken, Lagerhallen und Anschlüsse an die im Wiener Becken ansässigen Industriebetriebe angelegt. Für die eigens für den Kanal entwickelten Bootstypen gründete man sogar Werften. Innerhalb von 50 Jahren entwickelte sich der Kanal zu einer der wichtigsten Transportlinien für Kohle, Holz, Ziegel und gewerbliche Produkte in die boomende Hauptstadt der Monarchie. Die weitreichenden Pläne für den Ausbau bis zur Adria mussten aufgrund finanzieller und innenpolitischer Hürden aufgegeben werden. Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes verlor der Kanal zunehmend seine Funktion. Die Schiene konnte billiger, schneller und unabhängig von den Jahreszeiten massenhaft Güter transportieren. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor der Kanal endgültig seine Bedeutung, das Wiener Kanalbett wurde zugeschüttet bzw. als Trasse für die Eisenbahn genützt (teilweise die heutige Strecke der S7).
Tipps
Zum Lesen:
- Johannes Hradecky, Werner Chmelar: Wiener Neustädter Kanal. Vom Transportweg zum Industriedenkmal. Wien, 2014.
- Paul Slezak u.a.: Vom Schiffskanal zur Eisenbahn: Wiener Neustädter Kanal und Aspangbahn. Wien, 1981
- Fritz Lange: Von Wien zur Adria: der Wiener Neustädter Kanal. Sutton 2003.
Zum Radeln und Spazieren
Radwanderweg EuroVelo 9, Teil Wiener Neustädter Kanal.
Karte dazu
Der Ort
Donauinsel. Von der „Pissrinne“ zum Freizeitparadies
Die Donauinsel wurde zwischen 1972 und 1988 auf insgesamt 21,1km Länge quer durch die Stadt parallel zur Donau gelegt. Mit der Schaffung einer künstlichen Insel setzte man städtebaulich neue Maßstäbe: So weist die Donauinsel insgesamt 380 ha hochwasserfreie Fläche auf, zusätzlich wurden 330ha Wasserfläche für die Öffentlichkeit bereitgestellt. Insgesamt wurden 135km Wege errichtet und für die Begrünung 1.8 Millionen Bäume und Sträucher gepflanzt sowie 170ha Wald angelegt. Berühmt wurde die Donauinsel auch mit dem jährlich stattfindenden Donauinselfest, einer der größten Freiluft-Veranstaltungen weltweit, mit über 3 Millionen BesucherInnen am Veranstaltungswochenende.
Das Thema
Mit der Donauregulierung 1870-75 glaubte man den verheerenden Hochwassern der Donau im Wiener Raum ein Ende gesetzt zu haben. Jedoch musste man nach dem Hochwasser von 1954 erkennen, dass die Dämme und das Überschwemmungsgebiet für Jahrhunderthochwasser keinen ausreichenden Schutz boten. Nach langen Diskussionen über unterschiedliche Lösungsansätze beschloss die Stadtregierung den Bau des sogenannten Entlastungsgerinnes parallel zur Donau. Was am Anfang nur als schnurgerader Damm mit steiler Böschung und möglicher Bebauung auf dem Damm gedacht war, entwickelte sich aufgrund der beharrlichen Interventionen von Raum- und Städteplanern zum heutigen Freizeitpark und Grünstreifen mitten in der Stadt. Aber auch gesellschaftspolitische und soziale Veränderungen nahmen maßgeblich Einfluss auf die heutige Form. Eine neue Freizeitkultur entstand als Folge der Arbeitszeitverkürzung, aber auch der Wunsch nach Erholungsgebieten im unmittelbaren Umfeld, um den explodierenden motorgestützten Individualverkehr einzudämmen.
Tipps
Zum Lesen:
Leopold Redl, Hans Wösendorfer: Die Donauinsel. Ein Beispiel politischer Planung in Wien. Wien 1980
Zum Anschauen:
Youtube Videokanal von Bernhard Rennhofer: Die größte Baustelle in der Geschichte von Wien. So wurde die Donauinsel in Wien gebaut.
https://www.youtube.com/watch?v=EVe1byxe6GY
Zum Mitfeiern:
Falco Konzert auf der Donauinsel 1993. Auf Youtube.
https://www.youtube.com/watch?v=bqseW3ZItxA
Der Ort
Modecenterstraße, 1030 Wien
Das Thema
Seit 1970 organisierten die Wiener Festwochen unter dem Namen „Arena“ unorthodoxe Theater- und Konzertprogramme für Jugendliche. 1975 und 1976 zog diese Schiene auf das riesige, vom Abbruch bedrohte Areal des Auslandsschlachthofes St. Marx. Die Stadt Wien plante, die Hallen zu planieren, um Platz für ein Textilhandelszentrum zu schaffen.
Nach der offiziellen Schlussveranstaltung am 27. Juni 1976 – einem Auftritt der alternativen Musikband Misthaufen – weigerten sich die Besucher*innen zu gehen. Spontan riefen hunderte Menschen die Besetzung des 70.000 Quadratmeter großen Geländes aus.
Über mehrere Monate hinweg besetzten junge Menschen, Künstler*innen und Intellektuelle das Gelände des ehemaligen Auslandsschlachthofes in Wien-St. Marx, um den drohenden Abriss zu verhindern und ein selbstverwaltetes Kulturzentrum zu erkämpfen.
Was als spontaner Protest begann, entwickelte sich im heißen Sommer 1976 zu einer utopischen „Stadt in der Stadt“.
Die Verhandlungen zwischen den Aktivist*innen und der Gemeinde Wien führten zu keinem dauerhaften Kompromiss für das bestehende Areal. Am 27. September 1976 beschloss der Wiener Gemeinderat endgültig den Verkauf des Geländes.
Als es Herbst wurde, schwand der Rückhalt: Die Stadt Wien erließ den Abbruchbescheid, stellte schließlich den Strom ab und das Gelände wurde zunehmend unwirtlich. Um eine gewaltsame Räumung durch die Polizei zu verhindern, beschloss das Plenum die friedliche Räumung. Am 11. Oktober 1976 verließen die letzten Menschen freiwillig das Gelände, am darauffolgenden Tag rückten die Abrissbirnen an.
Obwohl die historischen Hallen des Auslandsschlachthofes abgerissen wurden, war der Protest ein bleibender Erfolg. Aus den Reihen der Besetzer*innen entstanden zahlreichen zivilgesellschaftliche Initiativen. Auch gab die Stadt Wien dem Druck nach und stellte den Aktivist*innen das direkt benachbarte, kleinere Areal des Inlandsschlachthofes zur Verfügung. Daraus entwickelte sich das autonome Kulturzentrum Arena Wien, das bis heute basisdemokratisch verwaltet wird und zu den wichtigsten und geschichtsträchtigsten Konzert- und Festivallocations Österreichs gehört.
Zu Gast
Alina Strmljan. Historikerin, Kuratorin und ehrenamtliche Mitarbeiterin im Bezirksmuseum Wieden
Tipps
- Robert Foltin: Und wir bewegen uns doch. Soziale Bewegungen in Österreich. edition grundrisse, Wien 2004
- Werner Michael Schwarz / Martina Nußbaumer (Hg.): Besetzt! Kampf um Freiräume seit den 70ern. Czernin Verlag, Wien 2012
- Martin W. Drexler / Markus Eiblmayr / Franziska Maderthaner (Hg.): Idealzone Wien. Die schnellen Jahre (1978-1985), Falter Verlag, Wien 2016
- Constanze C. Czutta: Von der Kuhweide zum Kulturverein. Zur Geschichte der Arena Wien. – https://magazin.wienmuseum.at/zur-geschichte-der-arena-wien
- Verein Forum Wien Arena: Die Arena – Eine Wiener Geschichte. „Das offizielle Buch zum 50-jährigen Jubiläum der Arena Wien“. Falter Verlag 2026
Zum Hören und Schauen:
- Die Schmetterlinge: Proletenpassion – https://www.youtube.com/watch?v=4OJQtwJQLvo&list=PLMu9FtmltVQ0MGibyg_eeE8rtBf2VN5JO
- Alois Ebner: ArenaTheater – https://www.youtube.com/watch?v=YbZ-hJVpK0U
- Arena Wien 1976 – https://www.youtube.com/watch?v=1sLVKSo6ZtU
- Ö1 Betrifft Geschichte: Arena Besetzung 1976 – https://oe1.orf.at/artikel/729380/Die-Arena-Besetzung-1976
- Sigi Maron: Ballade von ana hoatn Wochn – https://www.youtube.com/watch?v=stc-elyuU3s
Der Ort
Schottenring 30, 1010 Wien
Das Thema
Unmittelbar nach 1945 beginnt die Wiener Stadtverwaltung Konzepte für die Stadtentwicklung auszuarbeiten. Die durch Kriegsschäden hervorgerufenen Baulücken eröffnen die Chance, der Stadt ein neues und modernes Image zu geben, ohne an vergangene reaktionäre oder faschistische Bauepochen anzuschließen. Eines dieser rasch umgesetzten Bauvorhaben ist der zwischen 1953-55 errichtete Ringturm am Schottenring, der als Verwaltungszentrale der Wiener Städtischen Versicherung dienen soll.
Hinter diesem Projekt stehen vor allem zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, aus deren kollegial-freundschaftlichen Verhältnis eines der architektonischen Leuchtturmprojekte der Wiener Nachkriegsmoderne entsteht.
Der aus dem US-amerikanischen Exil heimgekehrte und aus prekären Verhältnissen stammende Versicherungsmanager Norbert Liebermann und der bürgerliche Architekt Erich Boltenstern stehen auch symbolisch für ein auf gesellschaftlichen Ausgleich orientiertes Nachkriegsösterreich. So präsentiert auch die Architektur des Ringturms stereotyp eine neue Gesellschaft, die von vielen gewünscht aber nur in Teilen realisiert wurde: moderat, modern und nicht zu waghalsig.
Zu Gast
Alina Strmljan. Historikerin, Kuratorin und ehrenamtliche Mitarbeiterin im Bezirksmuseum Wieden
Tipps
Zum Lesen:
- Adolph Stiller: Der Ringturm. 5 Jahrzehnte Baugeschichte eines Hochhauses. Wien 1998
- Judith Eiblmayr, Iris Meder: Moderat Modern – Erich Boltenstern und die Baukultur nach 1945. Katalog zur Ausstellung des Wien Museums 2005/2006
Der Ort
Universitätsring 2, 1010 Wien
Das Thema
Maria Theresia lässt 1741 einen ehemaligen Ballsaal, der für eine Vorform von Federspiel genutzt wurde, zu einem Theater umwidmen. Die Herrscherin ist eigentlich strikte Gegnerin von Spektakeln, sieht aber eine bestimmte Notwendigkeit in den Aufführungen. Das Theater wechselt aufgrund Unrentabilität mehrmals die Besitzer, erst Joseph II sieht es als Instrument der Aufklärung und Volksbildung. Die Produktionen sind immer wieder Wellen der Zensur ausgesetzt, ein wirklich professioneller Betrieb stellt sich erst mit den 1860er Jahren ein. Seitdem gehört das Burgtheater zu den führenden Bühnen Europas.
Im Zuge des Ausbaus des Rings erhält das Theater 1888 ein neues Gebäude, das aber einige technische Voraussetzungen für ein modernes Haus nicht erbringt.
Nach 1918 muss sich das Theater neu erfinden, es wird immer mehr zum Kampffeld unterschiedlicher gesellschaftlicher Strömungen. Nach der Okkupation Österreichs durch Hitlerdeutschland müssen viele Angestellte und Künstler:innen fliehen, einige andere machen blendende Karrieren.
Nach 1945 spielt das Theater eine wichtige Rolle bei der Konstruktion einer österreichischen Identität und Eigenstaatlichkeit. Ab den 1960ern stellt sich das Haus auch zunehmend internationalen politischen und sozialen Fragestellungen und gilt als Brennpunkt gesellschaftlicher Debatten.
Zu Gast
Alina Strmljan. Historikerin, Kuratorin und ehrenamtliche Mitarbeiterin im Bezirksmuseum Wieden
Tipps
Zum Lesen:
- Claudia Kaufmann-Fressner: Das Burgtheater. Architektur, Geschichte, Geschichten. Wien 2005
- Klaus Dermutz: Das Burgtheater, 1955-2005. Wien 2005
- Klaus Dermutz: Das Burgtheater und die Wiener Identität. Kontinuität und Krisen, 1888-2009. Wien 2010
Zum Anschauen:
- „Heldenplatz” in der Fassung von 1988
DVD Hoanzl, DVD-Edition Burgtheater
Der Ort
Klagbaumgasse 4, 1040
Ehemaliges Volksbad, heute Bezirksmuseum Wieden
Das Thema
Zu Gast
Alina Strmljan. Historikerin, Kuratorin und ehrenamtliche Mitarbeiterin im Bezirksmuseum Wieden
Tipps
Zum Lesen:
- Sonja Gruber, Alina Strmljan: Im Tröpferlbad. Kunstinterventionen. Verlag für moderne Kunst VfmK, Wien 2022
Zum Schauen:
- Hybrid Dessous: https://www.creativecluster.cc/people/hybrid-dessous/
Zum Hören:
- Im Tröpferlbad. Geschichten von Gesundheit und Hygiene:https://soundcloud.com/imtroepferlbad
Zum Besuchen:
- Ausstellung „Auch für Nichtschwimmer. 100 Jahre Amalienbad und das Bäderwesen im roten Wien“. Waschsalon Karl-Marx-Hof, Halteraugasse 7, 1190 Wien; Ausstellungsdauer: 5.3.26-5.9.27;
- Wiener Bezirksmuseum Wieden, Klagbaumgasse 4, 1040. Öffnungszeiten jeden Dienstag von 10-12.00 und Mittwoch von 16.30-18.30, Eintritt frei
Zum Duschen und Baden:
- Volksbad Friedrich-Kaiser-Gasse 11, 1160 Wien, https://www.wien.gv.at/freizeit/volksbad-friedrich-kaiser-gasse;
Der Ort
Das Thema
Mit Ende des Zweiten Weltkriegs und der kulturellen Stagnation nach 12 Jahren Faschismus wollte die Gemeindeverwaltung der Stadt ein neues, weltoffenes und modernes Image geben. Dabei wurde man schnell gewahr, dass es der Stadt an einer multifunktionalen Veranstaltungshalle mangelte, welche für die Abhaltung großer Kultur- und Sportveranstaltungen geeignet wäre. So wurde dann auch 1952 ein Architekturwettbewerb für eine Großveranstaltungshalle ausgeschrieben.
Durchgesetzt hat sich bei dieser Ausschreibung Roland Rainer, der schon während des Nationalsozialismus als Architekt tätig war. Innerhalb von 5 Jahren Bauzeit (1953-1958) wurde auf der Schmelz eine der größten Veranstaltungshallen Europas errichtet. Seitdem hat Wien mehrere Hallen für Musik, Kultur- und Sportveranstaltungen mit bis zu 16.000 BesucherInnen.
Nach den Hallen A-D kamen später auch noch eines der modernsten Freizeit- und Sportbäder und weitere Veranstaltungsorte hinzu. Die Gemeindeverwaltung wollte auch mit dem Bau der Stadthalle einen wichtigen Stadtentwicklungsimpuls in einem der ärmsten Wiener Gemeindebezirken setzen.
Zu Gast
X
Tipps
Zum Lesen
- Iris Meder: Jeder Wiener war schon dort. Die Wiener Stadthalle zwischen Eisrevue und Songcontest. Wien 2015
- Theresa Knosp: Sinnbild unserer Zeit: Roland Rainer und die Wiener Stadthalle, 1953-1958; Diplomarbeit an der TU Wien;
Der Ort
Neuer Markt, 1010 Wien
Der Donnerbrunnen heißt eigentlich Providentiabrunnen und steht am Neuen Markt in Wien. Hinweise auf einen Brunnen dort gibt es bereits seit dem Mittelalter. Der Donnerbrunnen, benannt nach seinem Erbauer, wird im 18. Jahrhundert errichtet. In den 1970er und 1980er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt sich der Platz zu einem Hot-Spot von Jugendlichen, besonders der Mod-Szene.
Das Thema
Zu Gast
Tipps
Zum Lesen
- Johannes Ullmaier: Subkultur im Widerstreit. Mods gegen Rocker – und gegen sich selbst. In: Peter Klemper, Thomas Langhoff und Ullrich Sonnenschein: Alles so schön bunt hier. Die Geschichte der Popkultur von den Fünfzigern bis heute. Reclam 1999
- Heike Jenß: Sixties Dress Only: Mode und Konsum in der Retro Szene der Mods. campus 2007
- Andrej Nikolai: Dreiknopf & Dosenbier: File Under: Subculture, MOD, GTS. 2023
Zum Schauen:
- Café Malaria (Öst 1982, Niki List, 82 min)
Der Ort
Zahnradbahnstraße 8, 1190 Wien
Ehemalige Station der Kahlenberger Zahnradbad (1874-1922 Talstation), heute Gasthaus.
Das Thema
Mit der Weltausstellung 1873 sind auch die Anlage von mehreren Bergbahnen geplant. Insgesamt werden drei Projekte realisiert. Sie sollen die Besucher*innen der Weltausstellung und Wiener Ausflügler*innen bequem in die Naherholungsgebiete des Wienerwaldes transportieren. Gleichzeitig dienen sie auch als Leistungsschau österreichischer Ingenieurstechnik.
Die Bahnen erfreuen sich großer Beliebtheit und erhalten sofort Wiener Kosenamen. Die „Zuckerlbahn“ (Drahtseilbahn zum Kahlenberg), die „Ruckerlbahn“ (Zahnradbahn zum Kahlenberg) und die „Knöpferlbahn“ (Drahtseilbahn zur Sophienalpe). Dabei werden unterschiedliche Techniken zum Einsatz gebracht. Die Bahnen boomen durch Ausstellungsbesucher*innen und Ausflügler*innen.
1887 transportiert die Zahnradbahn 260.000 Fahrgäste. 1876 muss wegen eines Erdrutsches die Zuckerlbahn, 1881 die Knöpferlbahn wegen wirtschaftlichen Problemen eingestellt werden.
Aufgrund versäumter technischer Erneuerungen und ökonomischer Krisen muss auch die Zahnradbahn 1922 den Betrieb schließen. Heute sind kaum mehr Spuren der Bahnen ausmachbar, nur wenige Straßennamen (z.B. Zahnradbahnstraße in Döbling) geben noch Hinweise auf die beliebten Transportmittel.
Zu Gast
Dr. Roman Hans Gröger ist Historiker, Autor und Mittelschullehrer. Forschungsschwerpunkt ist Geschichte des Transportwesens mit besonderer Berücksichtigung auf Wien.
Ing.Mag.Bettina Jernej ist Historikerin und Archivarin. Sie arbeitet am Technischen Museum Wien mit dem Schwerpunkt Geschichte des österreichischen Schienenwesens
Tipps
Zum Lesen
- Roman Hans Gröger: Von den Lohnkutschen zu den Stromkutschen. 160 Jahre Straßenbahn in Wien. Wien 2025
- Roman Hans Gröger: Die Straßenbahn in Döbling. Ein Rückblick auf 155 Jahre. Wien 2025
Zum Anschauen:
- Bezirksmuseum Döbling. Schauraum mit den Bergbahnen in Döbling. Döblinger Hauptstraße 96, 1190 Wien. Öffnungszeiten: Mittwoch: 9.30-11.30; Samstag: 15.00-17.00
Zum Abgehen:
Der Ort
Das Thema
Die Fahrgeschäfte im Wurstelprater wurden traditionell von dort tätigen einzelnen Familiendynastien betrieben. Mit der Weltausstellung 1873 entwickelte sich der Prater aus einem Konglomerat einzelner Buden zu einem professionellen Freizeitgelände. Restaurants, Hochschaubahnen, Geisterbahnen, Imbissbuden und Kinos waren die Hauptattraktionen, die unter anderem lukrative Einkommensquellen darstellten. Unter den BetreiberInnen befanden sich auch BürgerInnen, die mosaischen Glaubens waren bzw. denen eine jüdische Identität zugeschrieben wurden.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1938 begann sofort ein Gerangel von Mitgliedern der NSDAP, sich die Geschäfte jüdischer EigentümerInnen bzw. die als solche definiert wurden, anzueignen. Dabei taten sich vor allem sogenannte „ehemalige illegale Kämpfer“ oder deren Witwen hervor. Zum Teil waren die Methoden der österreichischen Nazis so unverschämt und rücksichtslos, dass die Berliner Zentrale, wenn auch nicht aus humanistischen Gründen, ordnend eingreifen musste. Die Gegenstrategien der Enteigneten waren manchmal hilflos, manchmal listig – aber am Ende zumeist erfolglos.
‚Viele Attraktionen wie die Liliputbahn oder das Riesenrad gerieten in den Besitz von Nazis. Die Familien der ehemaligen BesitzerInnen wurden verhaftet, vertrieben oder über die ganze Welt verstreut. Und viele ließen in der Shoah auch ihr Leben.
Nach dem Krieg wurden nur wenige Familien entschädigt, sie teilten das Schicksal vieler anderer rassistisch Verfolgter.
Zu Gast
Sarah Knoll ist Zeitgeschichtehistorikerin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Flucht und Migration, New Cold War Studies, Internationale Organisationen und NGO’s und ist ausgewiesene Fachfrau für die Geschichte des Wiener Praters.
Tipps
- Werner Michael Schwarz, Susanne Winkler: Der Wiener Prater. Ein Ort für alle. Wien 2024
- Werner Michael Schwarz, Susanne Winkler: Der Wiener Prater. Labor der Moderne. Politik-Vergnügen-Technik. Wien 2024
- Ursula Storch: In den Prater! Wiener Vergnügen seit 1776. Wien 2016
- Stephan Templ, Tina Walzer: Unser Wien. Arisierung auf Österreichisch. Berlin 2001
- Jutta Fuchshuber, Lukas Meissel: Aufregende Forschung. Zeitgeschichtliche Interventionen von Hans Safrian. Wien 2022
- Wiener Pratermuseum. Praterstraße 92 (Straße des 1.Mai), 1020 Wien. https://www.wienmuseum.at/pratermuseum
- Inventarnummer 1938. Ausstellung im Technischen Museum Wien, Mariahilfer Str.212, 1140 Wien. https://www.technischesmuseum.at/ausstellung/inventarnummer_1938
Der Ort
Im Hof Nummer 7 des Alten AKH und auf der Alserstraße/Ecke Lange Gasse im 9.Bezirk befanden sich das Wiener Gebär- und das Findelhaus von 1784-1910. Während das Wiener Findelhaus abgerissen wurde, existieren die Räumlichkeiten der ehemaligen Gebärklinik für ledige Frauen nach wie vor im Alten AKH.
Das Thema
Im Zuge der Reformpolitik Joseph II wurde mit der Einrichtung der beiden Häuser ledigen Schwangeren die Möglichkeit geboten, ohne Strafverfolgung und mit einem Mindestmaß an medizinischer und sozialer Unterstützung ihre Kinder zur Welt zu bringen und sie staatlicher Obhut zu übergeben. Diese Maßnahmen entsprangen aber nicht nur humanistischen Überlegungen, sondern sollten auch dem kontrollierten Bevölkerungswachstum eines expandierenden Militär- und Steuerwesens dienen. Und auch in der Behandlung der Frauen machten sich große Unterschiede je nach Klassenzugehörigkeit bemerkbar.
Zu Gast
Dr. Verena Pawlowski ist Historikerin in Wien und setzt ihren Schwerpunkt vor allem in Folgegeschichte der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Österreich. Sie ist auch Autorin der umfassenden Studie, die die Geschichte dieser beiden Einrichtungen multiperspektivisch behandelt: „Mutter ledig, Vater Staat. Das Gebär- und Findelhaus in Wien 1784 – 1910. Wien 2001“.
Tipps
Im Netz:
Anna Jungmayer: Idealisierte Bilder einer Fürsorgeeinrichtung. Das Wiener Findelhaus zwischen Anspruch und Realität.
Wiener Lieder zum Thema Findelhaus bzw. Schicksal von Waisen: Rechereche auf der Homepage der Volksliedswerkes: www.volksmusikdatenbank.at
Zum Lesen:
- Verena Pawlowsky: Mutter ledig – Vater Staat. Das Gebär und Findelhaus von 1784-1910. Studienverlag 2001.
- Max Winter: Ich suche meine Mutter. München 1910
- Katalog zur Ausstellung „… vor Schand und Noth gerettet?“. Findelhaus, Gebäranstalt und die Matriken der Alser Vorstadt. Bezirksmuseum Josefstadt. Ausstellung 2022
Der Ort
Das Wiener Arsenal war einer der größten militärisch-industriellen Komplexe der Doppelmonarchie. 1856 fertiggestellt, beherbergte es Kasernen, Verwaltungsgebäude und Produktionsstätten für Waffen. Primär weniger zur Verteidigung gegen äußere Feinde gedacht, sollte es die Wiener Bevölkerung nach der Revolution von 1848 ruhig halten. Im Objekt 19 befand sich eine Gewehrfabrik, die nach 1918 als Waffenlager für den Republikanischen Schutzbund diente. Nach mehreren vergeblichen Versuchen den Schutzbund zu entwaffnen, gelang es im März 1927 der Exekutive trotz der massenhaften Mobilisierung der in den umliegenden Bezirken wohnenden Arbeiter, einen Großteil der Waffenbestände im Objekt 19 im Zuge einer Razzia zu beschlagnahmen. Diese Polizeiaktion war einer der vielen Mosaiksteine, die zur militärischen und moralischen Schwächung des Schutzbundes führte und zur endgültigen Niederlage im Februar 1934. Der ursprüngliche Gebäudekomplex wurde Großteils in den 1980er Jahren abgerissen, stattdessen wurde auf dem Areal 1993 die Probebühne für das Wiener Burgtheater und die Staatsoper errichtet. Ab 2024 soll dort auch dort das Foto-Arsenal Wien entstehen, ein Zentrum für zeitgenössische Fotografie.
Das Thema
Der republikanische Schutzbund wurde als Antwort der Arbeiter:innenbewegung auf die zunehmende Militarisierung der rechts-konservativen Seite in Österreich und der faschistisch-autoritären Bewegungen in Italien und Ungarn 1923 gegründet. Der Schutzbund entstand aus verschiedenen Selbstverteidigungsorganisationen der Arbeiter:innenbewegung nach dem Ersten Weltkrieg und sollte die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreich (SDAP) und die Gewerkschaften vor gewalttätigen Übergriffen der konservativen Heimwehren und faschistischen Gruppen schützen. Die Organisation verstand sich zwar als überparteilich, war aber eng mit der SDAP verbunden. Die Mitglieder waren militärisch organisiert, trugen Uniformen und besaßen vor allem nach dem Ersten Weltkrieg große Waffenbestände. Am Höhepunkt der Mitgliederentwicklung 1928 hatte der Schutzbund 80.000 Mitglieder. Verschiedene Faktoren führten aber ab 1927 zur Schwächung des Schutzbundes. Vor genau 90 Jahren, im Februar 1934, versuchten Teile der Organisation mit einem letzten verzweifelten Aufstandsversuch die endgültige Zerschlagung der Arbeiter:innenorganisationen und die letztendliche Beseitigung der verbliebenen Reste der parlamentarischen Demokratie zu verhindern.
Zu Gast
Florian Wenninger ist Leiter des Instituts für Historische Sozialforschung, einer außeruniversitären Forschungseinrichtung. Er unterrichtet auch auf dem Institut für Zeitgeschichte an der Universität Wien, seine Forschungsschwerpunkte sind neben der Geschichte der Österreichischen Arbeiter:innenbewegung auch Diktatur- und Transformationsgeschichte wie Historische Identitätsbildung.
Tipps
Zum Lesen:
- Florian Wenninger, Lucile Dreidemy: Das Dollfuß/Schuschnigg-Regime 1933-1938. Vermessung eines Forschungsfeldes. (2013)
- Ilona Duczynska: Der demokratische Bolschewik. Zur Theorie und Praxis der Gewalt. (1975)
Zum Schauen
- Michael Scharang (Regie und Drehbuch): Die Kameraden des Koloman Wallisch. (1984)
Zum Besuchen:
- Dauerausstellung „Das Rote Wien im Waschsalon“. Verein Sammlung Rotes Wien.
Halteraugasse 7, 1190 Wien. Öffnungszeiten: Jeden Donnerstag 13-18h und Sonntag 12.-16h.
Der Ort
Schottenfeldgasse
Das Thema
Neubau und die Gentrifizierung Diese Folge führt uns ausgehend von der Schottenfeldgasse in Wien Neubau von der frühen Textil- und Seidenindustrie des 18. und 19. Jahrhunderts bis in die schicken Boutiquen und Design Stores in den heutigen Bezirken Sechs und Sieben. Und es geht um die Gentrifizierung und ihre Bedingungen – damals wie heute.
Tipps
Zum Lesen:
- Josef Ehmer: Familienstruktur und Arbeitsorganisation im frühindustriellen Wien. Wien 1980.
- Käthe Leichter: So leben wir…. 1320 Industriearbeiterinnen berichten über ihr Leben. Wien 1932. Online Ausgabe .
Zum Hören:
- André Heller, Helmut Qualtinger: D’Hausherrensöhnln.
In: Heurige und Gestrige Lieder. 1986
Der Ort
Groß-Enzersdorfer-Straße 59, 1220 Wien
Bis Juli 2024 betrieb Opel (bzw. der spätere Mutterkonzern Stellantis) ein Werk in Aspern. Es war ab 1982 in Betreib und beschäftigte über 2.000 Mitarbeiter*innen. Die Errichtung geht auf eine Initiative Bruno Kreiskys zurück.
Das Thema
Zu Gast
Tipps
Zum Lesen:
- Nikolaus Kowall: Raus aus der Globalisierungsfalle. Wie wir die sozial-ökologische Transformation schaffen. Wien 2024
- Quinn Slobodian: Globalisten. Das Ende der Imperien und die Geburt des Neoliberalismus. Frankfurt a.M. 2024
- Laurenz Fürst: Der Austro-Porsche: Bruno Kreisky und die österreichische Automobilindustrie. Wien 2018
- Arbeiterkammer Wien: Opel Werk in Wien. Wie der Betriebsrat das Schlimmste verhindert hat.
https://www.arbeit-wirtschaft.at/opel-werk-in-aspern-geschlossen-betriebsrat/
Der Ort
Am Hauptbaohnhof 1, 1100 Wien
Der Wiener Südbahnhof war bis ins 21. Jhdt. der größte Bahnhof des Landes. 2012 wurde der Name „Wien Südbahnhof“ das letzte Mal im Bahnbetrieb genutzt, heute steht dort der neue Hauptbahnhof, nur die ehemalige unterirdische S-Bahn-Haltestelle wird als einziger Betriebsteil des ehemaligen Südbahnhofs noch unter dem Namen „Wien Quartier Belvedere“ genutzt. In Erinnerung bleibt die voluminöse Kassenhalle als „Tempel des Fortschritts“.
In der Erinnerung vieler Menschen hatte der Südbahnhof noch eine ganz andere Funktion. Als eine Art erweitertes Vorzimmer, als Raum für Zusammenkunft, Austausch, Nachrichtenweitergabe und auch als Postamt und nicht zuletzt als ein Fenster in Welt, aus der sie gekommen waren, um durch harte Arbeit und viel Fleiß trotz aller Entbehrungen ein besseres Leben zu schaffen. Der Südbahnhof war Anziehungspunkt für viele Arbeitsmigrant*innen vor allem aus Südosteuropa der 1960er, 70er und 80er Jahre.
Das Thema
Andreas und Walter sprechen 60 Jahre nach dem „Anwerbeabkommen“ zwischen Österreich und Jugoslawien mit der Expertin Julia Tyll-Schranz über staatlich organisierte und individuelle Arbeitsmigration von Jugoslawien nach Österreich in der zweiten Hälfte des 20. Jhdts. Sie sprechen über die Rahmenbedingungen der Migration, Motive dafür und Einzelschicksale von Migrant*innen.
Zu Gast
Julia Tyll-Schranz ist Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am VGA (Verein Geschichte der Arbeiter*innenbewegung). Zu ihren inhaltlichen Schwerpunkten gehört Asylgeschichte in Österreich und die Migration von Menschen aus Jugoslawien.
Tipps
Zum Lesen:
- Vida Bakondy, Renée Winter, Marginalisierte Perspektiven.
Kontinuitäten der Arbeitsmigrationspolitik in Österreich,
Zeitgeschichte 40, 1 (2013), 22-34. - Mišo Kapetanović, „Yugoslav Labor Migrants Emerging as the Austrian
Working Class (1960-1980),“ Zeitgeschichte 49, 1 (2022), 87-110,
https://doi.org/10.14220/zsch.2022.49.1.87. - Verena Lorber, Angeworben. GastarbeiterInnen in Österreich in den
1960er und 1970er Jahren (Göttingen 2017). - Brigitte Le Normand, Citizens without Borders. Yugoslavia and Its
Migrant Workers in Western Europe (Toronto 2021). - Miranda Jakiša, Katharina Tyran (Hg.), Südslawisches Wien. Zur
Sichtbarkeit und Präsenz südslawischer Sprachen und Kulturen im Wien
der Gegenwart (Wien/Köln/Weimar 2022). - Julia Anna Tyll-Schranz, Freundinnenschaft. Aus der Lebensgeschichte
einer jugoslawischen Arbeitsmigrantin. In: fernetzt. Junges
Forschungsnetzwerk Frauen- und Geschlechtergeschichte, online unter:
https://fernetzt.univie.ac.at/20240115-2/. - Julia Anna Tyll-Schranz, “Yugoslavia does not exist anymore, but
Yugoslavia’s capital does, and it is called Vienna.” Revisiting Vienna
through the lens of (Post-)Yugoslav migration practices. In: Journal
for Austrian Studies 56/4 (2023) 55–64, online unter:
https://doi.org/10.1353/oas.2023.a914874.
Weiteres:
- Initiative Musmig (Museum der Migration): https://musmig.co/
- Gastarbeiterdenkmal: https://www.savo-ristic.com/
Filme z.B. von
- Krsto Papić (Specijalni vlakovi, Halo Munchen)
- Jugofilm (1997) von Goran Rebić zu den 1990er Jahren
- Doku zu Jedinstvo: https://www.youtube.com/watch?v=BOlw2h7qzMU
Der Ort
Das ehemalige Lokal „Zum goldenen Schiff“, Neustiftgasse 13, 1070
Hier befand sich das von Barbara Roman geführte Lokal, welches sie bis 1813 führte.
Das Thema
Mit Beginn des 19. Jahrhunderts übernimmt die Soldatenwitwe Barbara Roman ein Gasthaus im Bezirk Neubau. Ihr Konzept, nämlich übergebliebenes Essen vom Wiener Kaiserlichen Hof zu günstigen Preise abzugeben, erweist sich als enorm erfolgreich. Barbara Roman erhält den Spitznamen „Schmauswaberl“, da das Essen von hoher Qualität und geringen Preisen angeboten wird. Nebenbei betätigt sich Babara Roman karitativ, da sie auch eine Armenausspeisung betrieb. Das Geschäftsmodell wird aufgrund seines innovativen Charakters auch mehrmals kopiert. Nebenbei erfolgt die Entwicklung zurProfessionalisierung der Wiener Küche.
Die Kochbücher von Katharina Pratos und Olga Hess werden zu Bestsellern und legen die Grundlage für die „typische“ Wiener Küche. Diese Kochbücher standardisieren aber nicht nur Rezepte und Ingredienzien, sie versuchen auch den Mythos des liberalen Vielvölkerstaates der ausgehenden Monarchie in Kochanleitungen umzusetzen.
Zu Gast
Dr.in Sophie Gerber ist Technikhistorikerin und arbeitet als Kustodin für Alltagstechnik im Technischen Museum Wien.
Tipps
Zum Lesen:
Erika Thümmel: Von Kuheutern, Wildschweinsköpfen und Kalbsohren. Die „schriftstellende Kochkünstlerin“ Katharina Prato und ihre „Süddeutsche Küche“.
In: Carmen Unterholzer: Über den Dächern von Graz ist Liesl wahrhaftig. Eine Stadtgeschichte der Grazer Frauen. Dokumentation, Band 15, Wiener Frauenverlag, Wien 1996
Fritz von Herzmanovsky-Orlando: Der Gaulschreck im Rosennetz. Wien 2013
Zum Nachkochen
Katharina Prato: Die Süddeutsche Küche auf ihrem gegenwärtigen Standpunkte. Graz 1858. Download
Der Ort
Wiener Straße 68, 3002 Purkersdorf
Das Sanatorium Purkersdorf ist ein berühmtes
Das Thema
Lokalgeschichte betrifft uns oft sehr unmittelbar. Das macht Forschung in diesem Zusammenhang ebenso spannend wie manchmal auch schwierig, besonders bei heiklen Themen. In Purkersdorf hat man sich schwierigen Kapiteln der Vergangenheit gestellt und so eine kritische lokale Gedenkkultur etabliert.
Ausgehend von der Geschichte des Sanatorium Purkersdorf erzählt der Historiker Christian Matzka über lokale Geschichtsaufarbeitung und
Zu Gast
Christian Matzka war Lehrer und Lehrender an Pädagogischer Hochschule und Universität Wien in der Ausbildung von Geschichte-Lehramtsstudierende
Tipps
Zum Lesen:
Günther Sandner: Otto Neurath. Eine politische Biografie. Wien 2014
Günther Sandner (gemeinsam mit Christopher Burke): History and Legacy of Isotype. London 2024
Günther Sandner (gemeinsam mit Werner Michael Schwarz und Susanne Winkler): Wissen für alle. ISOTYPE – die Bildsprache aus Wien. München 2025
Zum Anschauen:
Wien Museum: Wissen für alle. ISOTYPE-Die Bildsprache aus Wien sehen. Bis zum 6.April 2026. https://www.wienmuseum.at/wissen_fuer_alle
Musa: Gesellschaft und Wirtschaft. Zeitgenössische Positionen zu Otto Neurath. Bis zum 25.Jänner 2026.
Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum: Was wäre Wien.
Atelier Wilfried Gerstel: Kontaktaufnahme für eine Begehung: www.wilfriedgerstel.net
Der Ort
Voglsanggasse 36, 1050 Wien
Das 1924 von Otto Neurath gegründete Wiener Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum dient der Darstellung wirtschaftlicher und politischer Zusammenhänge und versteht sich als ein Ort der Popularisierung von Wissen als Grundlage für demokratische Diskurse in der Wiener Öffentlichkeit.
Das Thema
Otto Neurath gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten der Wiener Wissenschaftsgeschichte der Zwischenkriegszeit. Als Mitbegründer des Wiener Kreises war er Mitglied einer Gruppe von Wissenschafter:innen, die sich der Verbindung von philosophischen, erkenntnistheoretischen und sozialen Fragen widmeten. Im Gegensatz zu anderen engagierte sich Otto Neurath aber auch immer politisch. Für ihn standen Themen Wohnbau, Demokratisierung und Volksbildung immer im Vordergrund. Mehrmals musste er als rassisch Verfolgter und Linker fliehen und konnte sich nach der Okkupation der Niederlande durch die Wehrmacht nur im Rahmen einer abenteuerlichen Flucht nach England retten.
Neurath und sein Team entwickelten vor allem das System der ISOTYPE, einer Bildsprache, die mit Hilfe von leicht verständlichen Zeichen und Symbolen dazu beitragen sollten, komplexe ökonomische und politische Inhalte leicht zu verstehen. Otto Neurath war aber nicht nur Wissenschafter und politischer Aktivist. Er verstand sich als Wegbereiter menschlichen Glücks und galt auch im Alltag als fröhlicher, humorvoller und künstlerisch begabter Zeitgenosse, der sich trotz aller politischer Widrigkeiten einem offensiven Humanismus verpflichtet sah.
Zu Gast
Günther Sandner ist Politologe und Lektor an der Uni Salzburg. Er publizierte mehrere Arbeiten zu Otto Neurath und dem System der ISOTPYE.
Wilfried Gerstel ist Künstler und Autor. Er beschäftigt sich mit seinen Arbeiten mit den Ideen Otto Neuraths und arbeitet in Wien und Graz
Tipps
Zum Lesen:
Günther Sandner: Otto Neurath. Eine politische Biografie. Wien 2014
Günther Sandner (gemeinsam mit Christopher Burke): History and Legacy of Isotype. London 2024
Günther Sandner (gemeinsam mit Werner Michael Schwarz und Susanne Winkler): Wissen für alle. ISOTYPE – die Bildsprache aus Wien. München 2025
Zum Anschauen:
Wien Museum: Wissen für alle. ISOTYPE-Die Bildsprache aus Wien sehen. Bis zum 6.April 2026. https://www.wienmuseum.at/wissen_fuer_alle
Musa: Gesellschaft und Wirtschaft. Zeitgenössische Positionen zu Otto Neurath. Bis zum 25.Jänner 2026.
Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum: Was wäre Wien.
Atelier Wilfried Gerstel: Kontaktaufnahme für eine Begehung: www.wilfriedgerstel.net
Der Ort
Schwarzenbergplatz 18, 1010
Autofirmen und Fluglinien hatten am Ring oder in unmittelbarer Nähe repräsentative Präsentationshallen, um ihre Produkte oder Dienstleistungen in einem luxuriösen Ambiente anzubieten. So hatte auch die Firma Steyr, der größte österreichische Automobilhersteller, eine großzügige Firmenpräsentationshalle am Schwarzenbergplatz 18 im Ersten Wiener Gemeindebezirk. Dort wurde u.a. auch das Steyr Baby der Öffentlichkeit vorgestellt. Heute befindet sich dort eine Filiale einer internationalen Fastfood-Kette.
Das Thema
Der Austrofaschismus versuchte von 1934-1938 einen Spagat zwischen autoritärer reaktionärer Restaurierung und modernem technologischen Image hinzulegen. Während man gesellschaftspolitisch an Kirche, Familie und Führerkult anknüpfte, wollte man sich gegenüber neuen technologischen Entwicklungen offen zeigen. Das betrifft vor allem den motorisierten Individualverkehr. Die Waffen- und Automobilfabrik Steyr brachte 1936 einen stromlinienförmigen Kleinwagen heraus, dem man schnell den Spitznamen „Baby“ gab. Das Auto sollte ein Auto für die Massen werden, obwohl es nicht billig war und sich eher an Kunden aus den Mittelschichten orientierte.
Im Zuge der Euphorie für den motorisierten Individualverkehr wurden seitens der austrofaschistischen Regierung zahlreiche Maßnahmen gesetzt, um den Straßenverkehr zu modernisieren. Prestigeträchtige Straßenprojekte wie die Höhen- und die Großglocknerhochstraße, elektrische Ampeln und Vereinheitlichung der Verkehrsrichtung wurden in Angriff genommen.
Das Steyr Baby musste aber nach 1938 gegenüber dem projektierten und von der NS-Führung bevorzugten VW-Käfer zurückstecken, die Produktion wurde später trotz erfolgreicher Verkaufszahlen eingestellt. Steyr konzentrierte sich in Folge vor allem auf Rüstungsaufträge aus der Wehrmacht und erweiterte die Geschäftsfelder im Fahrwasser der Okkupationspolitik der Wehrmacht nach Ost- und Südosteuropa.
Zu Gast
Bela Rasky ist Historiker und leitete das Simon Wiesenthal Center in Wien. Er publizierte zahlreiche Bücher zu Themen der österreichischen Zeitgeschichte.
Tipps
Zum Lesen:
- Alfred Pfoser, Bela Rasky, Hermann Schlösser: Maskeraden. Eine Kulturgeschichte des Austrofaschismus. Wien 2024
- Karl-Heinz Rauscher, Franz Knogler: Das Steyr-Baby und seine Verwandten. PKW aus Steyr. Gnas 2002
- Georg Rigele: Die Wiener Höhenstraße. Autos, Landschaft und Politik in den dreißiger Jahren. Wien 1993
Der Ort
Apollo Kino
Gumpendorfer Straße 63, 1060
Das Apollo Kino war zunächst ein Varieté, wurde aber schon bald zu einem der wichtigsten Orte der Wiener Kinokultur. Mit seinen vielen kleinen und dem großen Saal war es nicht nur wirtschaftlich erfolgreiches Kino mit abwechslungsreichem Filmprogramm sondern auch Venue für zahlreiche Filmpremieren.
Das Thema
Kino entsteht in Wien (und darüber hinaus) zunächst aus der Sensation und der Schaulust, bei den Schaubuden des Praters, als Teil von Kurzdarbietungen in Varietés oder in den Hinterzimmern der Gasthäuser. Bald schon erobert der Film die Menschen, entstehen moderne Lichtspieltempel, entdecken und nützen unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen das Kino als sozialen und politischen Ort der Zusammenkunft oder der Auseinandersetzung. Technologische Neuerungen setzen den zahlreichen entstandenen Kinos immer wieder zu: Der Tonfilm in der Zwischenkriegszeit, das Fernsehen, zuletzt die Streaming Dienste. Dennoch bleibt das Kino in seinen Nischen ein spannender Ort der Kultur in der Stadt. Über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieser schönen Institution in Wien sprechen Andreas und Walter in dieser Folge.
Tipps
Zum Lesen:
- Christian Dewald, Werner Michael Schwarz: Prater Kino Welt. Der Prater und die Geschichte des Kinos. Verlag Filmarchiv Austria, Wien 2005
Zum Schauen:
- Film: Cinema Paradiso (Nuovo Cinema Paradiso, R: Giuseppe Tornatore, 1988)
DVD: Proletarisches Kino in Österreich (Christian Dewald, Michael Loebenstein – Red., Filmarchiv Austria, 2007)
Zum Hingehen:
- Filmcasino, Margaretenstraße 78, 1050 Wien, www.filmcasino.at
- Metro Kinokulturhaus, Johannesgasse 4, 1010 Wien, www.filmarchiv.at
Der Ort
Ehemalige Textilfabrik Edlinger, Kaisermühlen
Schiffmühlenstraße 96-112, 1220
In der Schiffmühlenstraße 96-112 stand einer der größten und innovativsten Textilunternehmen der Monarchie. Gegründet 1882 zog es aufgrund der günstigen Lage zum Wasser und der zahlreichen Arbeitslosen nach Beendigung der Arbeiten an der Donauregulierung nach Kaisermühlen. Vor allem quasi unerschöpfliche Wasservorräte der Donau ermöglichten die Anwendung von Färberei- und Bleichtechniken von Textilien. Schon in den 1920 wurde dort das erste Kunstlederverfahren entwickelt. Edlinger gehörte zu den wichtigsten Betrieben der Region, musste jedoch 1986 nach mehreren Krisen endgültig die Produktion einstellen. Danach wurden auf den sogenannten „Edlinger-Gründen“ moderne Wohnbauten errichtet.
Das Thema
Nach der Donauregulierung entwickelte sich Kaisermühlen rasch zu einem wichtigen Industrie- und Gewerbegebiet. Lag es vor der Donauregulierung 1875 noch am rechten Ufer des Hauptstromes, befand es sich danach auf der linken Seite. Mit der Domestizierung des Flusses konnte aber nun das Wasser für industrielle und gewerbliche Zwecke genützt werden. Während zuerst Mühlen und Schiffsanlegestellen errichtet wurden, siedelten sich in Folge rasch vor allem textilbearbeitende Betriebe an. Grundlage bildeten das nach Fertigstellung der Donauregulierung lokale Arbeitskräfteresservoir sowie das nun in unbeschränktem Maße vorhandene Wasser. Billiger Baugrund feuerte zusätzlich den Zuzug von ProletarierInnen an, was den Stadtteil zu einem rasch wachsenden Siedlungsgebiet machte. Mit der Krise der Textilindustrie nach dem Ersten Weltkrieg und vor allem ab der 1960er verschwanden die Textilbetriebe. Diese wichen in Folge städtebaulicher Verdichtung. Die Erschließung durch den öffentlichen Nahverkehr und die Umgebung zu zahlreichen Naherholungsgebieten macht Kaisermühlen nun zu einen der begehrtesten Gegenden für Wohnungssuchende, was wiederum zur Gentrifizierung und starken sozialen Veränderungen in dem Stadtteil führt.
Zu Gast
Norbert Kainc beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit der Geschichte Kaisermühlens. In mühevoller Kleinarbeit und neben seinem Brotberuf deckte er Schicht für Schicht der unbekannten Geschichte Kaisermühlens auf, indem er Archive durchforstete, private Bestände aufarbeitete und zahlreiche Interviews vor Ort mit den BewohnerInnen von Kaisermühlen führte. Resultat seiner Arbeit sind zahlreiche Publikationen, Webpräsentationen und Vorträge vor Ort zum Thema.
Tipps
Zum Lesen:
- Norbert Kainc, Hans Schwödt: Kaisermühlen. Diener vieler Herren. Wien 2017
Zum Trinken:
- Vorträge von Norbert Kainc zur Geschichte Kaisermühlens.
16.10. und 6.11.2025, 18.30.
Ort: Festsaal der Polizei-Sport-Vereinigung auf dem Gelände des PSV Wiens. Dampfschiffhaufen 22, 1220. Eintritt frei
Zum Recherchieren:
- Website von Norbert Kainc: www.kaisermuehlen.eu
Der Ort
Schüttauhof, 1220
Der Schüttauhof ist ein klassischer Gemeindebau des Roten Wien in Kaisermühlen. Er wurde in den Jahren 1924-1925 erbaut. Er war zunächst der größte Gemeindebau in Kaisermühlen, wurde jedoch schon bald durch den 1930 erbauten Goethehof in den Schatten gestellt. Benannt wurde der Hof nach einer vor der Donauregulierung dort befindlichen Insel, die Schüttau genannt wurde.
Obwohl der Gemeindebau in der TV-Serie Kaisermühlenblues nie benannt wurde, fanden doch alle Dreharbeiten im Schüttauhof statt. Zudem wird immer wieder gegen die Bewohner*innen des Goethehofes geätzt. Gedreht wurde im Schüttauhof bei der Stiege 7 (die in der Serie die „10er Stiegen“ darstellt) sowie an der der Neuen Donau zugewandten Straßenseite des Schüttauhofes am Kaisermühlendamm.
Das Thema
Zu Gast
Florian Wagner studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien. Ein Fachgebiet ist Zeitgeschichte und Medien. Hier untersuchte er die Darstellung historischer Transformationsprozesse in den Fernsehserien „Ein echter Wiener geht nicht unter“ und „Kaisermühlen Blues“. Florian Wagner arbeitet im Haus der Geschichte Österreich.
Tipps
Zum Lesen:
- Monika Wagner: Ein „Indianer-Café“ als Attraktion
- Elisabeth Patsios: Loos Bar American Bar – Kärntner Bar – Loos Bar. Die legendärste Bar Wiens. Wien 2011
Zum Trinken:
Volksstimme-Fest. Stand der Österreichisch-Kubanischen Gesellschaft. Alljährlich erstes Septemberwochenende auf der Jesuitenwiese, 1020 Wien
Der Ort
Prater, 1020 Wien
Der amerikanische Wigwam auf der Weltausstellung 1873
Koordinaten: 48° 12′ 30.71″ N, 16° 24′ 35.10″ E
Das Thema
Cocktails wurden zum ersten Mal während der Wiener Weltausstellung von 1873 dem Wiener Publikum präsentiert. Seitdem gelten Cocktails und die damit verbundene Bar-Szene immer als Gegenmodell zu den proletarischen Gasthäusern, bürgerlichen Cafés und adeligen Ballsälen. In den Wiener Bars trafen sich Bohemians, Unterweltler und Unangepasste, um einem liberalen, stark amerikanisierten und in Ansätzen egalitäreren Lebensstil zu frönen.
Mit der Globalisierung wurden die für die Cocktails notwendigen Ingredienzien leichter erhältlich. Während vor allem der Einfluss von Jazz-Musik eine wichtige Rolle für die Verbreitung von Bars in den 1950er und 60er sorgten, popularisierten weitere politische und kulturelle Strömungen das Cocktail-Trinken in Wien. So brachte die südamerikanische politische Diaspora vor allem exotische Mischgetränke mit sich, die 1980er sorgten mit New Wave und der „coolen“ Atmosphäre heruntergekommener Lokalitäten für weitere Impulse.
Nach dem Fall des sozialistischen Lagers und dem Siegeszug des Neoliberalismus der 1990er etabliert sich eine weitere Barkultur, die sich vor allem durch protzige und neureiche Innenarchitektur und Menüvorschlägen in der Stärke eines Telefonbuches auszeichnete.
Zu Gast
Paul-Julien Robert ist Filmemacher, Ausstellungskurator und Aktivist der Gruppe MATHILDA.
Elisabeth Schäfer ist Philosophin, lehrt an der Sigmund Freud Privatuniversität Psychotherapiewissenschaft und ist Aktivistin der Gruppe MATHILDA.
Tipps
Zum Lesen:
- Monika Wagner: Ein „Indianer-Café“ als Attraktion
- Elisabeth Patsios: Loos Bar American Bar – Kärntner Bar – Loos Bar. Die legendärste Bar Wiens. Wien 2011
Zum Trinken:
Volksstimme-Fest. Stand der Österreichisch-Kubanischen Gesellschaft. Alljährlich erstes Septemberwochenende auf der Jesuitenwiese, 1020 Wien
Der Ort
Am Graben 14, 1010 Wien
Erstes 1754 konzessioniertes Limonadenzelt vor dem ehemaligen Café Taroni
Das Thema
Die ersten gewerblichen Limonaden-Ausschanke ab Mitte des 18.Jahrhunderts waren die Vorläufer der heutigen sogenannten „Schani-Gärten“. Hier wurden im Freien Möglichkeiten für den Konsum von nicht-alkoholischen Getränken eingerichtet, zu denen, im Gegensatz zu den Kaffeehäusern, auch Frauen Zutritt hatten. Industriell hergestellte Limonaden für den Massenkonsum wurden ab Ende des 19.Jahrhunderts mit der sich ausweitenden Sodawasserproduktion immer populärer.
Erst nach dem 2.Weltkrieg stieg der Limonadenkonsum deutlich an. Limonaden wurden zum Symbol einer neuen Jugendkultur, die stark von der US-Amerikanischen Unterhaltungskultur geprägt war. Aber auch technische Innovationen, die zum Teil ihren Ursprung in der Kriegsproduktion hatten und die Entdeckung von Kindern und Jugendliche als aktive KonsumentInnen, forcierten den stark gestiegenen Absatz der zuckerhältigen Getränke.
Zu Gast
Paul-Julien Robert ist Filmemacher, Ausstellungskurator und Aktivist der Gruppe MATHILDA.
Elisabeth Schäfer ist Philosophin, lehrt an der Sigmund Freud Privatuniversität Psychotherapiewissenschaft und ist Aktivistin der Gruppe MATHILDA.
Tipps
Zum Lesen:
Die Sinalco Epoche. Essen, Trinken, Konsumieren nach 1945. Erschienen im Rahmen einer Ausstellung im Wien Museum 2005, Czernin-Verlag.
Zum Anschauen:
Volker Schlöndorff: Die Blechtrommel. Nach einem Roman von Günter Grass. 1979
Der Ort
Mariahilfer Str. 212, 1140 Wien
Das Prick’sche Rad im Technischen Museum Wien
Das Thema
Bier gehört zu den ältesten Kult-Getränken der Menschheit. In Wien wurde schon seit dem 14.Jahrhundert Bier gebraut, spielte aber im Verhältnis zu Wein nur eine untergeordnete Rolle. Erst mit der industriellen Produktion von untergärigem Bier, welche durch moderne Kühltechniken ermöglicht wurde, entwickelte sich Bier zum Modegetränk und verdrängte Wein als bevorzugtes alkoholisches Genussmittel.
Wien wurde zu einer der wichtigsten Produktionsstätten für Lagerbier, viele Innovationen wurden von österreichischen Bierbrauern erfunden, welche sich über die Herstellung des beliebten Gerstensaftes beträchtliche Vermögen erwerben konnten. Anfangs wurde Bier in vielen kleinen Brauereien produziert.
Aufgrund der permanenten technologischen Weiterentwicklung und dem damit verbundenen Kapitalbedarf sowie umfassender Marketingmethoden fand in den letzten 60 Jahren ein massiver Konzentrationsprozess statt, der bis dato nicht abgeschlossen ist.
Zu Gast
Paul-Julien Robert ist Filmemacher, Ausstellungskurator und Aktivist der Gruppe MATHILDA.
Elisabeth Schäfer ist Philosophin, lehrt an der Sigmund Freud Privatuniversität Psychotherapiewissenschaft und ist Aktivistin der Gruppe MATHILDA.
Tipps
Zum Lesen:
Christian Springer, Alfred Paleczny, Wolfgang Ladenbauer: Wiener Bier-Geschichte. 2017 Wien
Zum Anschauen:
Technisches Museum Wien: Das Prick’sche Rad in der Mittelhalle. Mariahilfer Str.212, 1140 Wien;
Der Ort
Molkereistraße 1, 1020 Wien
Die ehemalige „Wiener Molkerei (WIMO)“
Das Thema
Im Gegensatz zu ländlichen Gebieten war aufgrund der Lieferketten und der nicht vorhandenen Kühlmöglichkeiten frische Milch für die Großstadt nur mangelhaft vorhanden. Die Anlieferung erfolgte sehr lange über die sogenannten Milchfrauen bzw. -mädchen, die die Milch umständlich in die Stadt lieferten und direkt verkauften. Technische Innovationen wie der Galaktometer (Gerät zum Messen des Fettgehalts von Milch) und der Pasteurisierung (Abtöten der Keime durch Erhitzen) legten den Grundstein für die industrielle Produktion von Milchprodukten.
Mit der Errichtung der Wiener Molkerei, einer Genossenschaft, konnte Wien ab den 1880er flächendeckend mit Milch versorgt werden. Die erste Produktionsstätte befand sich in der Pragerstraße, danach übersiedelte diese in die Molkereistraße, wo einer der modernsten und effizientesten Großmolkereien Europas errichtet wurde. Somit kam es innerhalb von wenigen Jahren zu einer kompletten Trendumkehr. War vorher Milch eine teure Mangelware, die oft unter dubiosen Umständen produziert wurde, wurde es nun zum genormten und streng überwachten Massenprodukt.
Um die daraus entstehenden Überproduktionen abzubauen, wurden zahlreiche Marketing- und Aufklärungsoffensiven gestartet, um den Milchkonsum anzukurbeln und dabei den – nicht immer bewiesenen – Gesundheitsfaktor herauszustreichen.
Zu Gast
Paul-Julien Robert ist Filmemacher, Ausstellungskurator und Aktivist der Gruppe MATHILDA.
Elisabeth Schäfer ist Philosophin, lehrt an der Sigmund Freud Privatuniversität Psychotherapiewissenschaft und ist Aktivistin der Gruppe MATHILDA.
Tipps
Zum Lesen:
Lisa Falter: Milchwirtschaft im Wandel: Konsum und Produktion von Milch und Milchprodukten in Österreich zwischen 1970 und 1995. Diplom Arbeit 2019.
Download: https://utheses.univie.ac.at/detail/49453
Zum Schauen:
Stadtfilm: Alte WIMO.
https://stadtfilm-wien.at/film/154/
Der Ort
Linke Wienzeile bei Gumpendorf, 1060 Wien
Das Thema
Zu Gast
Paul-Julien Robert ist Filmemacher, Ausstellungskurator und Aktivist der Gruppe MATHILDA.
Elisabeth Schäfer ist Philosophin, lehrt an der Sigmund Freud Privatuniversität Psychotherapiewissenschaft und ist Aktivistin der Gruppe MATHILDA.
Tipps
Zum Lesen:
Willi Klinger, Karl Vocelka: Wein in Österreich – Die Geschichte. 2019, Brandstätter
Zum Spazieren:
Wiener Weinwandertage, 27.-28.September 2025,
https://www.wien.gv.at/umwelt/wald/freizeit/wandern/weinwandertag.html
Zum Schauen:
Ausschnitte aus „Fra Diavolo -The Devil‘s Brother“ und „The Bohemian Girl“ (Stan Laurel und Oliver Hardy):
https://youtu.be/XPIw6eRW_Bg
https://youtu.be/SddmE-otg3M
https://youtu.be/SZLXhEoBTHc
Der Ort
Der Währinger Wasserturm. Anton-Baumann-Park, 1180 Wien
Das Thema
Lange Zeit konnte der Wasserbedarf der Stadt über Brunnen gedeckt werden. Mit dem rapiden Wachstum der Stadt mussten aber zusätzliche Quellen erschlossen werden. Während schon die Römer eine Wasserleitung anlegten, wurden erst zu Beginn des 19.Jahrhunderts Überlegungen angestellt, Wasser in die Stadt von außen einzuleiten. Oft wurde Wasser über primitive Mittel zusätzlich in die Stadt geliefert – der Hof ließ sich sogar mit Wasserträgern das kostbare Nass aus den Alpen oder böhmischen Heilquellen anliefern. So wurde lange Wasser dann auch mit Alkohol versetzt, um es haltbar zu machen. Erst mit dem Bau der beiden Wiener Hochquellleitungen konnte ausreichend Wien mit hervorragendem Trinkwasser versorgt werden.
Zu Gast
Paul-Julien Robert ist Filmemacher, Ausstellungskurator und Aktivist der Gruppe MATHILDA.
Elisabeth Schäfer ist Philosophin, lehrt an der Sigmund Freud Privatuniversität Psychotherapiewissenschaft und ist Aktivistin der Gruppe MATHILDA.
Tipps
Zum Lesen:
Florian Dandler: Die 1.Wiener Hochquellwasserleitung. Von einer gewagten Idee zu einem Vorzeigeprojekt. 2017, Akademiker Verlag
Zum Spazieren:
Meiselmarkt, ehemaliger Speicher der Wiener Wasserversorgung, Wien 1150, U3-Station Johnstraße
Zum Ausprobieren:
Stadtplan der Stadt Wien, Filterfunktion „Trinkbrunnen“, https://www.wien.gv.at/stadtplan/
Der Ort
Praterstraße 32, 1020 Wien
Das Thema
In der Praterstraße 32, 1020 Wien, wurde Anfang der 1970er in einer Wohngemeinschaft ein scheinbar anti-bürgerliches Kunst- und Gesellschaftsprojekt gegründet, welches sich als radikales Gegenmodell zum konservativen und reaktionären Kulturklima im Nachkriegs-Österreich verstand. Was als emanzipatorische Initiative begann, entwickelte jedoch sehr schnell autoritäre Strukturen.
Bald zog die Wohngemeinschaft auf einen Gutshof ins Burgenland und firmierte unter dem Titel „Mühl-Kommune“. Dort fand dann fast 20 Jahre lang die systematische materielle und sexuelle Ausbeutung der sektenähnlichen Gruppe aus, wobei vor allem junge Frauen und Kinder Opfer von Gewalt und Missbrauch wurden. 1991 wurde der Sektenführer Mühl zu 7 Jahren Haft verurteilt, bis dato sind viele Fragen ungeklärt. Wie konnte die Öffentlichkeit so lange zusehen, warum wurde die Sekte trotz der offensichtlichen Beweise noch lange von vielen als fortschrittliches Experiment gesehen, wer waren die finanziellen Nutznießer nach Auflösung der Sekte?
Um diese Fragen zu beantworten, hat sich die Gruppe MATHILDA gegründet, die vor allem aus Kindern der ehemaligen Mitglieder besteht. In dieser Sendung geht um die wichtige Arbeit der Gruppe MATHILDA und die Ausrichtung des Forschungsfokus auf die Opfer und deren aktivistische Initiative, das Unrecht aufzuarbeiten.
Zu Gast
Paul-Julien Robert ist Filmemacher, Ausstellungskurator und Aktivist der Gruppe MATHILDA.
Elisabeth Schäfer ist Philosophin, lehrt an der Sigmund Freud Privatuniversität Psychotherapiewissenschaft und ist Aktivistin der Gruppe MATHILDA.
Tipps
Zum Anschauen:
Paul-Julien Robert: Meine keine Familie. Dokumentation 2012. https://www.freibeuterfilm.com/wp/portfolios/meine-keine-familie/
Zum Hingehen:
„Vom Kunstwerk zum Artefakt“. Im Rahmen der Ausstellung „Nie endgültig! Museum im Wandel“ im mumok (Museum moderner Kunst Sammlung Ludwig).
Geöffnet bis 13. Juli 2025. https://www.mumok.at/nie-endgueltig/mathilda-vom-kunstwerk-zum-artefakt
Zum Lesen:
Eva Badura-Triska, Hubert Klocker: Der Wiener Aktionismus. Kunst und Aufbruch im Wien der 1960er Jahre. Wien 2012
Zum Diskutieren:
Präsentation der Publikation der Gruppe MATHILDA: Gewalt der Bilder – Bilder der Gewalt. Herausforderungen für die kuratorische Praxis.
Datum: 10. Juli 2025 im mumok.
Im Netz:
Wiener Kongresse: Kunst und Mißbrauch. Verhandlung im Rahmen der Wiener Festwochen 2025. https://www.youtube.com/watch?v=OT3dETlSQck
Der Ort
Isis-Brunnen am Albertplatz, 1080 Wien
Der Isis-Brunnen am Albertplatz in Wien Josefstadt wurde 1833 errichtet und 1834 von Kaiser Franz I. und dem damaligen Abt des Schottenstifts eingeweiht. Der Brunnen wird von einer Figur der altägyptischen Göttin Isis, der Gottheit für Wiedergeburt und Magie, geschmückt. Die Errichtung der Statue dieser orientalischen Gottheit im Beisein eines katholischen Kaisers und eines Abtes zeigt die hohe Ausstrahlungskraft der altägyptischen Kultur im ersten Drittel des 19.Jahrhunderts in Österreich.
Das Thema
Zu Gast
Tipps
Zum Lesen:
- Hannes Leidinger, Susanne Weber-Mauthner: Zuhause ist Anderswo. Eine Weltreise durch die Migrationsgeschichte – von Ötzi bis heute. Wien 2024
- Jochen Oltmer: Globale Migration. Geschichte und Gegenwart. München 2017
-
Lena Karasz: Migration und die Macht der Forschung. Kritische Wissenschaft in der Migrationsforschung. Wien 2017
Zum Recherchieren:
Der Ort
Gemeindebau
Brandmayergasse 27, 1050
Der Gemeindebau wird von einem vom Künstler Rudolf Böttger gefertigten Mural geschmückt. Böttger war schon vor 1938 illegale NSDAP-Mitglied und spielte eine wichtige Rolle in der faschistischen Kulturpolitik in der sogenannten „Ostmark“.
Auf diesem Wandbild wird eine aus faschistischer Perspektive „perfekte“ deutsche Familie abgebildet. Einer der Söhne trägt in HJ-Uniform eine Fahne, aus der nach 1945 das Hakenkreuz entfernt wurde.
Nachdem für viele Jahre das Bild ohne kritische Bemerkungen unverändert blieb, wird seit 2002 das Werk durch eine künstlerische Intervention von Ulrike Lienbacher in einen kritischen Kontext präsentiert.
Das Thema
Während der nationalsozialistischen Herrschaft in Wien wurden jüdische Bewohner:innen von Gemeindewohnungen gezwungen diese innerhalb kürzester Zeit zur räumen. Die meisten der ehemaligen MieterInnen gerieten in den Sog des faschistischen Terrors und wurde in Folge vertrieben, eingesperrt oder deportiert. Mindestens 1090 von ihnen wurden auch ermordet. Diese wenig bekannte dunkle Geschichte des Wiener Gemeindebauwesens wurde nun im Rahmen eines Wissenschaftsprojekts erforscht. Die Initiative ging vom Wiener Wohnen, der Verwaltungsstruktur der Wiener Gemeindebauten, aus. Dabei wurde eine Kooperation mit dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes und der Literatin Evelyn Steinthaler ins Leben gerufen. Das DÖW erforschte das Schicksal von fast 3.600 jüdischen Menschen. Im Rahmen von buchbaren Rundgängen in ausgesuchten Gemeindebauten wird anhand von 50 ausgewählten Biografien die menschenverachtende Politik der Nationalsozialisten und die Mechanismen des Terrors durchleuchtet. Diese Folge der Geschichtsgreißlerei behandelt die Entstehungsgeschichte, die Inhalte und die Zukunftsperspektive dieses wichtigen Projekts.
Zu Gast
Claudia Kuretsidis-Haider ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des DÖW. Sie leitet den Bereich „Durchführung und Koordinierung wissenschaftlicher Forschungs- und Dokumentationsprojekte“. Sie ist auch Autorin von zahlreichen Publikationen zum Thema rassistisch motivierter Vertreibung und Nachkriegsjustiz
Karin Ramser ist seit 2017 Direktorin von „Stadt Wien – Wiener Wohnen“. Die gelernte Juristin verwaltet mit ihrem Stab 220.000 Wohnungen. Unter ihrer Ägide wurde die Aktion „Stadtführungen gegen das Vergessen“ ins Leben gerufen.
Evelyn Steinthaler ist Schriftstellerin, Comicautorin, Lektorin, literarische Übersetzerin und Podcasterin. Die Rundgänge werden von ihr organisiert und auch abgehalten.
Tipps
Zum Lesen:
-
Herbert Exenberger, Johann Koss, Brigitte Ungar-Klein:
Kündigungsgrund Nichtarier: Die Vertreibung jüdischer Mieter aus den Wiener Gemeindebauten in den Jahren 1938-1939
Wien Picus 1996
Der Ort
Ehem. K.u.K. Kriegsministerium,
Stubenring 1, 1010
Das heute neutral „Regierungsgebäude“ genannte Gebäude am Stubenring 1 in Wiens erstem Bezirk wurde 1909-1913 für das Reichskriegsministerium errichtet. Dieses wurde ab 1911 auf ungarischen Wunsch k.u.k. Kriegsministerium genannt. Der imposante Bau mit einer Frontlänge von 200 Meter hat eine Grundfläche von 9.632 Quadratmeter. Der Rest des 13.800 Quadratmeter großen Bauplatzes ist auf neun Höfe verteilt. Davor steht eine überdimensionale Statue des Feldmarschall Radetzky.
Das Thema
In dieser Episode des Geschichtsgreißlerei-Podcasts wird die faszinierende Geschichte von Schani Breitwieser, einem berühmten Einbrecher und Volkshelden aus Wien, erzählt. Der Podcast beleuchtet seine Kindheit in Armut, seine Entwicklung zum professionellen Einbrecher, seine spektakulären Einbrüche während des Ersten Weltkriegs und sein tragisches Ende. Der Mythos des edlen Räubers wird analysiert, ebenso wie die gesellschaftlichen Umstände, die zu seiner Popularität führten. Schließlich wird auf die moderne Relevanz solcher Figuren eingegangen und Parallelen zur heutigen Zeit gezogen.
Zu Gast
Manfred Mugrauer ist Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes.
Tipps
Zum Lesen:
- Manfred Mugrauer: Widerstand und Verfolgung in Rudolfsheim-Fünfhaus. Eine Dokumentation. Bestelladresse: www.museum15.at/museums-shop
Zum Schauen:
Zum Hingehen:
Dauerausstellung des Dokumentationsarchives des Österreichischen Widerstandes.
Altes Rathaus, Wipplingerstraße 6 – 8, 1010 Wien. Eintritt frei.
Öffnungszeiten: Mo bis Mi, Fr (werktags): 9.00 bis 17.00
Do (werktags): 9.00 bis 19.00
Der Ort
Das Thema
Während des Nationalsozialismus entwickelten sich verschiedenste Formen des Widerstandes gegen Diktatur und Terrorherrschaft.
Der Historiker Manfred Mugrauer wurde vom Bezirksrat des 15.Bezirks beauftragt, eine Dokumentation zu diesem Thema zu erstellen. Im Zuge seiner Recherche zeigte sich, dass den Hauptanteil des aktiven Widerstandes Angehörige der illegalen Kommunistischen Partei stellten. Aber das politische Spektrum war auch breiter gefächert. So gab es auch SozialdemokratInnen, MonarchistInnen oder auch Einzelpersonen, die aus ethischen und religiösen Gründen sich gegen das Regime stellten. Verfolgt wurden aber nicht nur aktive Oppositionelle, zum Teil musste man schon harte Strafen nur wegen einer unbedachten Bemerkung oder wegen eines Witzes auf sich nehmen.
Hochburg des Widerstandes war neben den Bahnhöfen und Werkstätten der Wiener Linien der Westbahnhof, auf dem vor allem kommunistische Eisenbahner versuchten, antifaschistische Aktivitäten zu entwickeln. Aufgrund der kriegswichtigen Funktion des Bahnhofes reagierte der faschistische Apparat mit voller Härte und sprach zahlreiche Todesurteile aus.
Manfred Mugrauer sammelte in seiner Publikation über 500 Einzelschicksale und gibt in Kurzbiografien auch oft persönliche und emotional anrührende Einblicke in das Schicksal dieser tapferen Frauen und Männer.
Zu Gast
Manfred Mugrauer ist Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes.
Tipps
Zum Lesen:
- Manfred Mugrauer: Widerstand und Verfolgung in Rudolfsheim-Fünfhaus. Eine Dokumentation. Bestelladresse: www.museum15.at/museums-shop
Zum Schauen:
Zum Hingehen:
Dauerausstellung des Dokumentationsarchives des Österreichischen Widerstandes.
Altes Rathaus, Wipplingerstraße 6 – 8, 1010 Wien. Eintritt frei.
Öffnungszeiten: Mo bis Mi, Fr (werktags): 9.00 bis 17.00
Do (werktags): 9.00 bis 19.00
Der Ort
Reumannplatz, 1100
Das Thema
Der Weg zur Wiener U-Bahn war ein langer und komplizierter. Obwohl mit der Errichtung der Stadtbahn im 19.Jahrhundert der Grundstein für ein einheitliches städtisches Schnellverbindungskonzept gelegt wurde, wurde erst 1978 die erste U-Bahnstrecke zwischen Karlsplatz und Reumannplatz eröffnet. Aufgrund der beiden Weltkriege wurden die Anläufe für den Bau eines U-Bahnnetzes immer wieder unterbrochen.
Nach dem 2.Weltkrieg versucht die Stadtregierung alternative Verkehrskonzepte zu entwickeln. Dies reichte von der Errichtung einer einspurigen Bahn auf Stelzen bis zum Ausbau von unterirdisch verlaufenden Straßenbahnlinien. Ab Mitte der 1960er stand jedoch die bisherige Verkehrspolitik, die auf Autoverkehr und Straßenbahn, unter Kritik, da die innerstädtische Mobilität vor dem Kollaps stand.
1968 beschließt das Stadtparlament den Bau eines U-Bahnnetzes, welches auch zukünftig weiter ausgebaut wird. Die Errichtung eines umfassenden Netzes einer unterirdischen Schnellverbindung stellt die Planung vor großen technischen und städtebaulichen Herausforderungen. Dabei werden aber nicht nur die Mobilität der BürgerInnen verbessert und erhöht, gleichzeitig bringt der U-Bahnbau eine ganze Reihe von sozialen und kulturellen Auswirkungen mit sich.
Zu Gast
Die „Affäre Borodajkewicz“ wird von dem jungen Juristen Heinz Fischer angestoßen, er beruft sich dabei auf Mitschriften des Studenten Ferdinand Lacina, der die antisemitischen und NS-verherrlichenden Aussagen dokumentiert hat. Beide Zeitzeugen sollten später wichtige Akteure der österreichischen Zeitgeschichte werden.
Tipps
Zum Lesen:
- Johann Hödl: Das Wiener U-Bahn-Netz. 200 Jahre Planungs- und Verkehrsgeschichte. Wien 2009.
Zum Schauen:
- Werbefilm mit Alfred Böhm: https://mediawien-film.at/film/318/
- Werbefilm der Wiener Linien: https://youtu.be/g45u_-A6qGg
- Verfolgungsjagd in „Scorpio“ (1973), Alain Delon hetzt Burt Lancaster hinterher. Zuerst durch den Raimundhof in Mariahilf und dann durch die Bausstelle Karlsplatz: https://www.youtube.com/watch?v=ji09nCyUf2E
Zum Hingehen:
Informationszentrum Wiener Linien U2xU5: https://www.wienerlinien.at/u2xu5/infocenter
Der Ort
Philharmonikerstraße 2-4, 1010 Wien
Hinter der Staatsoper erinnert heute ein „Stolperstein“ an das späte Opfer der NS-Ideologie, Ernst Kirchweger.
Das Thema
Zu Gast
Die „Affäre Borodajkewicz“ wird von dem jungen Juristen Heinz Fischer angestoßen, er beruft sich dabei auf Mitschriften des Studenten Ferdinand Lacina, der die antisemitischen und NS-verherrlichenden Aussagen dokumentiert hat. Beide Zeitzeugen sollten später wichtige Akteure der österreichischen Zeitgeschichte werden.
Tipps
Zum Lesen:
- Michael Graber, Manfred Mugrauer: Der Tote ist auch selber schuld. Zum 50. Jahrestag der Ermordung Ernst Kirchwegers. Wien 2015
- Heinz Fischer: Einer im Vordergrund: Taras Borodajkewicz.Wien 2015.
Zum Schauen:
- Lukas Ellmer, Andreas Filipovic, Samira Fux:
Akademische Abgründe. Rechtsextremismus im Hörsaal
https://www.oeh.ac.at/ueber-uns/oeh-dokumentation/
Der Ort
Spitalgasse 2, 1090 Wien
Der Wiener Narrenturm wurde 1784 unter der persönlichen Beaufsichtigung Kaiser Joseph II errichtet. Anfangs stand das Gebäude am freien Feld, später wurde eine Mauer herum errichtet, um neugierige voyeuristisch veranlagte Eindringlinge fernzuhalten. Die Form des Baus förderte immer wieder Spekulationen über angeblich versteckte Funktionen der Einrichtung heraus. So soll die Anzahl der Zellen pro Etage, nämlich 28, auf den 28tägigen Mondzyklus hinweisen. Dieses und andere Gerüchte konnte aber nie wissenschaftlich verifiziert werden.
Das Thema
Im Zuge der Aufklärung ändert sich das Bild der psychischen Krankheiten. Auf der einen Seite werden bestimmte Verhaltensformen, die zuvor im Rahmen als gesellschaftlich akzeptabel eingeordnet werden, als nicht „normal“ identifiziert. Andererseits werden diese nun aber auch als Krankheit und somit als „heilbar“ ausgemacht. Aus diesem neuen Verständnis besucht Kaiser Joseph II 1777 in Paris das Hotel-Dieu, eine Krankenanstalt, die als modernste Europa gilt. Hier holt er sich Inspirationen für ein modernes Krankenhaus, welches er in Wien errichten möchte. Nachdem die Verbringung von psychisch kranken Menschen zuvor unter menschenunwürdigen Verhältnissen stattfindet, macht Joseph II die Errichtung der Anlage im Geiste der Vernunft und Aufklärung zu einem seiner prioritären Vorhaben. 1784 wurde der sogenannte „Narrenturm“ auf dem Gelände des Allgemeinen Krankenhauses fertiggestellt. Doch neben den humanistischen Idealen sollte die Anstalt vor allem zur Bereitstellung von gesunden und arbeitswilligen StaatsbürgerInnen sorgen.
Obwohl zum damaligen Zeitpunkt der Narrenturm als die modernste Anstalt Europas galt, macht die rasante Entwicklung der Medizin und der Psychiatrie innerhalb weniger Jahrzehnten den Bau in seiner bestehenden Form obsolet. Die Insassen der Anstalt werden vermehrt auf andere Gebäude und Einrichtungen verteilt und 1869 wird das Gebäude als Krankenanstalt endgültig geschlossen. Heute beherbergt der Narrenturm eine der größten pathologisch-anatomischen Sammlungen weltweit.
Zu Gast
Daniel Vitecek ist Literat, Kulturwissenschafter und Humanmediziner. Er veröffentlichte 2023 eine umfassende Geschichte des Wiener Narrenturms.
Tipps
Zum Lesen:
- Daniel Vitecek: : Der Wiener Narrenturm. Die Geschichte der niederösterreichischen Psychiatrie von 1784 bis 1870. Wien 2023
- Ernst Hausner: Das Pathologisch-Anatomische Bundesmuseen im Narrenturm des Alten Allgemeinen Krankenhauses in Wien. 1998
- Christine Lavant: Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus. 2016 Steve Sem-Sandberg im Buch: Die Erwählten. 2015 Lena-Maria Biertimpel: Luftpolster. 2022
Zum Besuchen:
Der Ort
Wallnerstraße 8, 1010 Wien
Technische Innovationen und eine veränderte Kommunikationskultur machen eine große Anzahl der öffentlichen Telefonzellen obsolet. Viele werden aus dem Stadtbild entfernt, einige funktional umgewidmet. Eine dieser Neuausrichtungen ist die Umgestaltung in öffentliche Bücherschränke. Aber auch als Lade- oder Defibrillatorenstationen werden die ehemaligen silber-grünen Häuschen verwendet. Der neue Bücherschrank am Volkertmarkt stellt die gelungen Umwidmung einer ehemaligen vitalen Kommunikationseinrichtung dar.
Das Thema
Obwohl wichtige Entscheidungsträger in der Doppelmonarchie mit der 1861 erfundenen „Fernmündlichen Kommunikation“ in Kontakt kommen, war das Interesse an der Errichtung eines allgemeinen Telefonnetzes sehr gering. Als erstes werden Telefonapparate für in bürgerlichen Haushalten oder beim Militär eingesetzt. Telefone dienen primär zur Befehlsausgabe an Dienstboten oder subordinierenden Chargen, also für Kommunikation in eine Richtung.
Erst 1881 werden erste private Lizenzen für die Errichtung eines allgemein zugänglichen Netzes vergeben. Der erste öffentliche Anschluss wird 1882 in der Börse installiert, 1895 wird aufgrund des Chaos des privaten Marktes das Fernsprechnetz unter die Verwaltung des Netzes gestellt.
Telefonnetze gelten lange Zeit als technisch unzuverlässig und teuer in der Installation. Die Errichtung eines flächendeckenden Netzes geht sehr schleppend voran, Wien hinkt vielen anderen europäischen Hauptstädten hinten nach. Erst in den 1960er beginnt auch der Siegeszug der Telefonie in Wien. Den Höhepunkt der Anzahl öffentlicher Telefonzellen gibt es in den 1980er mit 6000 Telefonzellen, heute existieren noch ungefähr 1500.
Zusatzinfos
Vorbereitung:
- A-I-22: wen konnte man bis 1958 unter dieser „Nummer“ erreichen?
- Die Polizei! Als einziger Notdienst hatte sie bis zur Umstellung auf ein rein nummerisches Wählsystem eine einheitliche Rufnummer
Inhaltliche Slides
- 1863 wird Kaiser Franz-Josef das kurz davor erfundene Telefon vorgestellt. Sein Interesse ist äußerst gering
- Anfangs müssen die Verbindungen händisch durch das sogenannte „Fräulein vom Amt“hergestellt werden. Die letzte Telefonistin quittiert 1972 ihren Job
- Den ersten öffentlichen Telefonanschluss gibt es 1882 in der Börse, die erste Telefonzelle 1903 am Südbahnhof
- Vor der Verstaatlichung des Telefonnetzes 1895 sorgen 11 private Netze für kommunikationstechnisches Chaos
- Die Pilotversuche für mobiles Telefonieren starten 1991 in Wien, 1993 wird das GSM-Netz in ganz Österreich installiert
Funfact:
Tipps
Zum Lesen:
- Christine Kainz: Geschichte der österreichischen Post. Wien 1995
- Sabine Zelger: Das Pferd frisst keinen Gurkensalat. Wien 1998
Zum Hören:
-
Karl Valentin: Buchbinder Wanninger.
https://www.youtube.com/watch?v=c5SENIhMMvM
Zum Schauen:
-
Steven Knight: No turning back. 2013.
https://www.youtube.com/watch?v=PVLWX6BtVP4
Der Ort
Rauhensteingasse 8, 1010 Wien
In der Rauhensteingasse 8 stand Mozarts Sterbehaus, in dem er unter anderem die „Zauberflöte“ und das Requiem komponierte. Das Originalhaus ist abgerissen, heute befindet sich dort ein großes Kaufhaus und in dessen Untergeschoss eine immersive Ausstellung zum Thema Mozart.
Das Thema
Wolfgang Amadeus Mozart lebte und wirkte von 1781-1791 in Wien. Wie kein anderer Künstler vor bzw. nach ihm wurde Mozart nicht nur über seine Kompositionen bekannt, sondern entwickelte sich zu einer weltweit verbreiteten Marke. Sein Konterfei ziert Kaffeetassen, T-Shirts, Süßigkeiten und wirbt für die Legalisierung von Cannabis.
Diese Vermarktung findet aber schon in den Aktivitäten seines Vaters Leopold seinen Anfang und wird später durch seine Gattin Constanze Weber fortgesetzt. Die Marke Mozart entwickelt sich auch zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor im Wiener Tourismus. Das Leben bietet auch eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten, den Mythos publikumswirksam auszubauen. Denn Mozart war nicht nur Vielreisender, sondern auch ein politischer und aufsässiger Geist, dem man durchaus rebellische Eigenschaften zuordnen kann. Wie dieses Ausnahmetalent seinen Alltag organisiert hat und was ihm neben dem Komponieren auch privat umtrieb, hat der Autor und Regisseur Kurt Palm jahrelang recherchiert und in Büchern und Filmen festgehalten.
Zu Gast
Kurt Palm ist österreichischer Autor und Regisseur und beschäftigt sich in Büchern und Filmen mit dem Mythos Mozart. Zuletzt hat er seine Autobiografie „Trockenes Feld“ herausgebracht, das ihm auch als Reisenden und widerspenstigen Geist ausweist.
Tipps
Zum Lesen:
- T1
Zum Download:
- Sar
Der Ort
Das Thema
Während des Zweiten Weltkriegs wurden zahlreiche Rüstungs- und Grundstoffindustrien in Österreich gegründet, die vor der Okkupation durch Hitler-Deutschland 1938 nicht existent waren. Dabei wurden entweder neue Fabriken gegründet oder eine Fusionierung und Konzentration bestehender Industriezweige vorgenommen. Nach dem Krieg wurde dieses ehemalige deutsche Eigentum in mehreren Verstaatlichungsgesetzen in den Besitz der Republik überführt. Dies betraf vor allem Stahl-, Chemie- und Energieproduzenten, sowie die wichtigsten Banken. Diese „Verstaatlichte Industrie“ (VI) bildete für 3 Jahrzehnte das Rückgrat des österreichischen Wirtschaftsstandorts. Die Krise der Rohstoffindustrie traf auch die VI ab Ende der 1960er Jahre hart. Entnommene und nicht reinvestierte Gewinne, Unterkapitalisierung und zu billig an die Privatindustrie verkaufte Produkte machten die Sanierung der VI zum Politikum. Aber auch Fehlinvestitionen und fragwürde Geschäfte setzten dem Konzern hart zu. Am Höhepunkt beschäftige die VI über 100.000 Menschen in Österreich, danach wurde sie sukzessive zerschlagen und privatisiert. Auch in Wien waren zahlreiche Firmen nach dem Krieg verstaatlicht, daneben gab es auch die Zentralen der großen Banken. Somit war auch die VI in Wien maßgeblich für den Wirtschaftsaufschwung bis in die 1970er Jahren verantwortlich.
Zu Gast
Ferdinand Lacina war 1982 bis 1984 Staatssekretär im Bundeskanzleramt und für Wirtschaftsfragen verantwortlich. 1984-1986 bekleidete er das Amt des Ministers für Verkehr und von 1986 bis 1995 für Finanzen. In seine Amtszeit fielen aufgrund der ökonomischen Umwälzungen die meisten Umstrukturierungen der Verstaatlichten Industrie.
Tipps
Zum Lesen:
- Dieter Stiefel: Verstaatlichung und Privatisierung in Österreich: Illusion und Wirklichkeit. Wien 2011
Georg Turnheim: Österreichs Verstaatlichte. Die Rolle des Staates bei der Entwicklung der österreichischen Industrie von 1918 bis 2008. Wien 2009
Zum Schauen:
- Egon Humer: Postadresse: 2640 Schlöglmühl. Prisma Filmproduktion 1990
Der Ort
Karlsplatz, 1010
Das Wiener Bürgerspital wurde Mitte des 13. Jahrhunderts außerhalb der Stadtmauern vor dem Kärtner Tor errichtet. Nachdem es 1529 während der ersten osmanischen Belagerung zerstört wurde, wurde es innerhalb der Stadtmauern am Lobkowitz-Platz neu errichtet. Das ursprüngliche Gebäude befand sich ungefähr auf der Fläche, wo jetzt das Künstlerhaus und der Wiener Musikverein stehen.
Das Thema
Armenfürsorge und Wohlfahrt spielten schon im mittelalterlichen Wien eine wichtige Rolle. So gab es neben dem von der Kirche unterstützten Heiligengeistspital auch das vom städtischen Bürgertum geförderte Bürgerspital seit dem 13.Jahrhundert. Das Spital lag bis zu seiner Zerstörung während der ersten osmanischen Belagerung von 1529 vor den Stadttoren und wurde später innerhalb dieser aufgebaut. Das Bürgerspital finanzierte sich über Spenden und wirtschaftliche Eigenaktivitäten. Armut wurde bis Ende des 18.Jahrhunderts nicht unbedingt als persönliche Schuld gesehen und deren Bekämpfung fiel unter religiöse Verpflichtung. Mit Beginn des 19.Jahrhunderts begannen aber die Kämpfe für die Errichtung eines staatlichen Wohlfahrtssystem, das auch nach Ende des Ersten Weltkriegs eingeführt wurde. Seitdem existieren staatliche gesetzlich festgelegte Unterstützung für Arbeitslose und Hilfsbedürftige. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieses System in der uns heute bekannten Form weiter ausgebaut. Mit den Wirtschaftskrisen Beginn der 1980er Jahre wurde aber verstärkt auf die aktive Arbeitsmarktpolitik gesetzt. Dies hieß Arbeitslosen und anderen Bezugsberechtigten die Möglichkeit für Weiterbildung und Eigeninitiativen zu anzubieten. Eines dieser Projekte ist der „Würfel“, der Langzeitarbeitslosen die Möglichkeit gibt, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Ein weiterer Schritt ist die Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen, dessen Ausformung und Wirksamkeit im Mittelpunkt gesellschaftlicher Diskurse steht.
Zu Gast
Dr. Sarah Pichlkastner ist Historikerin und Kuratorin am Wien Museum. Ihr Forschungsschwerpunkt ist Geschichte der institutionellen Fürsorge und Stadtgeschichte der Frühen Neuzeit
Andreas Thienel ist Obmann bei „Der Würfel – Verein zur Unterstützung von arbeits-underwerbslosen Menschen“ und war jahrelanger Mitarbeiter bei der Caritas
Mag. Winfried Göschl ist Landesgeschäftsführer des AMS Wien und ausgewiesener Fachmann für Arbeitsmarktpolitik
Tipps
Zum Lesen:
- Thomas Krempl, Johannes Thaler: 100 Jahre Arbeitsmarktverwaltung. Österreich im internationalen Vergleich. Wien 2017
- Felix Butschek: Österreichs Wirtschaftsgeschichte: von der Antike bis zur Gegenwart. Wien 2011
Zum Download:
- Sarah Pichlkastner: Spitäler und Krankenhäuser im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit (https://magazin.wienmuseum.at/spitaeler-und-krankenhaeuser-im-mittelalter-und-in-derfruehen-neuzeit, 05.11.2020).
- Sarah Pichlkastner: Krankheitserregende Ausdünstungen – Gefahr liegt in der Luft (https://magazin.wienmuseum.at/krankheitserregende-ausduenstungen, 10.04.2020).
- AMS Forschungsnetzwerkes: „Die experimentelle Arbeitsmarktpolitik der 1980er und 1990er Jahre in Österreich“ (https://forschungsnetzwerk.ams.at/elibrary/publikation/ams-reports/2017/die-experimentelle-arbeitsmarktpolitik-der-1980er–und-1990er-jahre-in-oesterreich.-rueckschluesse-und-perspektiven-fuer-gegenwart-und-zukunft-der-aktiven-arbeitsmarktpolitik.html)
- Website zum Thema Sozialökonomischer Betrieb: nuzzes.substack.com
Der Ort
Hasengasse, 1100
Die Hasengasse befindet sich im 10. Wiener Gemeindebezirk, in Favoriten. Sie steht hier für das „ursprüngliche Favoriten“, das zur Zeit der Produktion der Serie schon im Verschwinden war. Benannt wurde sie 1862 nach den bis dato stattfindenden Hasenjagden am „Hasenfeld“. Sie verläuft parallel zur Gudrunstraße.
„Ein echter Wiener geht nicht unter“ spielt zwar in dieser Gasse, was ihr einige Bekanntheit auch über Wien hinaus gebracht hat, jedoch wurde die Serie gar nicht dort sondern in Wien West sowie den Rosenhügelstudios gedreht.
Das Thema
Von 1975 bis 1979 produzierte der Österreichische Rundfunk die Serie „Ein echter Wiener geht nicht unter“, zunächst als Adaption des Romans „Salz der Erde“ von Ernst Hinterberger (1966). Unerhört waren die explizite Sprache und die implizite Gewalt. Heikle Themen wie Rassismus, NS-Vergangenheit oder Geschlechterverhältnisse wurden dabei angesprochen. Das sorgte für hitzige Debatten. Auch die berühmte Sylvesterfolge thematisiert die Wehrmachtszeit der Figuren. Zugleich wurde die Serie immer populärer und mit zunehmender zeitlicher Distanz wurden Stoff und Figuren verklärt. Edmund „Mundl“ Sackbauer war ursprünglich ein vielschichter, auch düsterer Charakter. Heute steht er vielfach für den Ur-Wiener, der mit Grant und Schmäh durchs Leben geht.
Zu Gast
Florian Wagner studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien. Ein Fachgebiet ist Zeitgeschichte und Medien. Hier untersuchte er die Darstellung historischer Transformationsprozesse in den Fernsehserien „Ein echter Wiener geht nicht unter“ und „Kaisermühlen Blues“. Florian Wagner arbeitet im Haus der Geschichte Österreichs.
Tipps
Zum Lesen:
-
Werner Telesko, Stefanie Linsboth, Sabine Miesgang: Verehrung des hl. Johannes von Nepomuk in Ostösterreich. Der Heiligenkult im Spannungsfeld von Frömmigkeitspraxis und Medialisierung.
Zum Gratis-Download: https://land-noe.at/noe/stuf78.html - Thomas Hauschild: Weihnachtsmann. Die wahre Geschichte. 2016
Zum Schauen:
- Jake Kasdan: Red One-Alarmstufe Weihnachten. 2024
Der Ort
Betonbrückenpfeiler der Bahnhofs Stadlau im 22.Bezirk
Am Betonbrückenpfeiler der Bahnhofs Stadlau im 22.Bezirk befindet sich eine von Werner Feiersinger gefertigte künstlerische Stahlkonstruktion, die die Gestalt des Heilige Nepomuk darstellt. Die Arbeit wurde 2010 angebracht und ist ein Verweis auf die Schutzfunktion für Brücken dieses christlichen Märtyrers aus dem 14.Jahrhundert. Nach dem Abklingen des boomenden Nepomuk-Kults im 18. und 19.Jahrhundert, stellt diese neuere Arbeit eine auffällige Besonderheit dar.
Geo-Daten: 48° 13′ 11,01″ N, 16° 27′ 01,19″ O
Das Thema
Nepomuk war ein kirchlicher Würdenträger im Prag des 14. Jahrhundert, der nach einem Streit zwischen König Wenzel und dem Erzbischof von Prag als Bauernopfer in der Moldau von der säkularen Staatsmacht in der Moldau ertränkt wurde.
Im Zuge des 18. Jahrhunderts wurde der katholische Kult um den Heiligen Nikolaus sukzessive durch den des Heiligen Nepomuks abgelöst. Während zuvor an Brücken und Gewässern Statuen von Nikolaus zum Schutz aufgestellt wurden, wurden danach zu Ehren des böhmischen Nepomuks zahlreiche Kapellen und Kirchen errichtet. Das Herrscherhaus Habsburg machte sich den Kult um den Heiligen, der vor allem bei den niedrigen Ständen in Böhmen und Mähren beliebt war, für politische Zwecke zu Nutzen. Schon Karl VI nützte die allgemeine Popularität dieses Märtyrers, und seine Tochter Maria-Theresia versuchte im Zuge des österreichischen Erbfolgekrieges die nördlichen Erblande durch besondere Pflege des Andenkens an Nepomuk diese an sich zu binden.
Der Kult nahm zum Teil solche Ausmaße an, dass ihn Joseph II zeitweilig verbot. Im Laufe der Jahrhunderte wurden Nepomuk zahlreiche Statuen und Kapellen gewidmet. Vor allem die Orden der Zisterzienser und Jesuiten pflegten den Kult. Die Jesuiten nahmen damit insbesondere Bezug auf die Funktion Nepomuks als Beichtvater, da sie bis Mitte des 18.Jahrhunderts traditionell die Beichte der Mitglieder des Hauses Habsburg abgenommen haben.
Die Verehrung war aber auch ein lukratives Geschäft, da eine Vielzahl von Künstlern für die Produktion von Statuen und Abbildungen beauftragt wurden. Der Heilige Nikolaus erlebte erst wieder eine Renaissance mit dem Weihnachtsmann, dessen Erscheinung mit dem spendierfreudigen kleinasiatischen Bischof aus dem 4. Jahrhundert n.u.Z. assoziiert wurde. Das Andenken hingegen an Nepomuk verschwand im öffentlichen Bewusstsein immer mehr. Nur mehr die wenigsten wissen über die Hintergründe dieses Heiligen, der vor allem zu Zwecke der Gegenreformation gegen die evangelische Kirche verwendet wurde, Bescheid.
Zu Gast
Mag. Christian Stadelmann ist Ethnologe, Kulturwissenschafter und Kustos am Technischen Museum Wien für den Sammlungsbereich „Alltag“. Nebenbei beschäftigt er sich vor allem mit religiösen Motiven in der Alltagskultur.
Tipps
Zum Lesen:
-
Werner Telesko, Stefanie Linsboth, Sabine Miesgang: Verehrung des hl. Johannes von Nepomuk in Ostösterreich. Der Heiligenkult im Spannungsfeld von Frömmigkeitspraxis und Medialisierung.
Zum Gratis-Download: https://land-noe.at/noe/stuf78.html - Thomas Hauschild: Weihnachtsmann. Die wahre Geschichte. 2016
Zum Schauen:
- Jake Kasdan: Red One-Alarmstufe Weihnachten. 2024
Der Ort
2225 Zistersdorf
Am Weinviertler Gebiet Zistersdorf-Matzen-Neusiedl befindet sich das größte Erdöl- und Erdgasfeld Mitteleuropas. Das Vorkommen reicht bis in die Slowakei und ist ein Resultat von organischen Ablagerungen eines verschwundenen Meeres, welches vor mehreren Millionen Jahren die Grundlage für die Entstehung des Feldes legte. Zahlreiche Bohrungen heben diesen Rohstoff, wobei die tiefste 8.5 km in den Boden reicht. Die Gemeinde Zistersdorf, Matzen und Gösting wurden mit den 1930er Jahren zum „Texas“ von Österreich und machten sie zeitweise zu vergleichsweise wohlhabenden Gemeinden.
Das Thema
Nachdem die galizischen Ölfelder während des Ersten Weltkriegs rasch verloren gingen, musste die Militärverwaltung den kriegswichtigen Rohstoff wo anders gewinnen. Erste Bohrungen im Weinviertel waren zwar erfolgreich, die Ausbeute war jedoch unrentabel. Erst ab den 1930 konnten ergiebige Felder erschlossen werden und einen ersten Erdöl-Boom auslösen. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Bohrungen rasch von deutschen Firmen übernommen, da diese sie vor allem für militärische Bedürfnisse ausbeuteten. Nach dem Krieg fielen sie die Anlagen zuerst an die Sowjets, da sie als ehemaliges deutsches Eigentum zu Reparationszahlungen herangezogen wurden. Dieser Umstand beschleunigte die Umsetzung des Gesetzes der Verstaatlichung der Schlüsselindustrien, um diese dem Zugriff der Alliierten zu entziehen. Öl wurde noch bis 1961 an die UdSSR geliefert. Sowohl während der sowjetischen Verwaltung, wie auch danach waren Arbeitsplätze in der Ölindustrie beliebt, da sie hohe Löhne zahlte und zahlreiche Sozialleistungen bot. Die von den Sowjets verwalteten Öl-Betriebe waren auch die ersten in Österreich, die vertraglich gleiche Löhne für Männer und Frauen garantierten. Nach wie vor spielen die Vorkommen im Weinviertel für die österreichische Energieversorgung eine nicht unerhebliche Rolle, da ungefähr 7-8% des Gesamtbedarfs an Erdöl und 6% an Erdgas Österreichs gedeckt werden können.
Zu Gast
Mag. Andreas Vormaier ist Geowissenschafter und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte der Erdölgewinnung Österreichs in Vergangenheit und Gegenwart. Gegenwärtig arbeitet er als Lektor in einem wissenschaftlichen Verlag.
Tipps
Zum Lesen:
- Gerhard Ruthammer: Öldorado Weinviertel. Zur Geschichte des Erdöls im Weinviertel. 2013.
Zum Runterladen:
- Österreichisches Montanhandbuch 2023. Herausgegeben vom BM für Finanzen: Download
Zum Besuchen:
Der Ort
Pius-Parsch-Platz, 1210
Am Pius-Barsch-Platz 3 in Floridsdorf wurde 1936-1938 ein Kirchenneubau nach Plänen von Robert Kramreiter errichtet. Das Gebäude wurde mit Bedacht in der Nähe der großen Gemeindebauten in Floridsdorf errichtet, da auch hier u.a. die schwersten Kämpfe Februar 1934 stattfanden. Die Benennung der Kirche nach dem Heiligen Josef als Schutzpatron der ArbeiterInnen und der explizite Verweis auf die 12 Apostel als Symbole eines bescheidenen Urchristentums waren auch als Versöhnungsangebot an die lokale Bevölkerung gedacht.
Das Thema
Nach Beseitigung der parlamentarischen Demokratie 1933 durch die Christlich-Soziale Partei konnte die nun neu eingerichtete Vaterländische Front auch im staatlichen Bauwesen nach ihrem Gutdünken vorgehen. Dabei setzte sie vor allem auf zwei Schwerpunkte. Einerseits sollte in Anlehnung an das italienische faschistische Regime vor allem in Infrastrukturprojekte wie Brücken und Straßen investiert werden. Andererseits versuchte man im Zuge der engen Verzahnung von austrofaschistischem Staat und Kirche vermehrt neue Gotteshäuser zu errichten. Diese wurden in der Nähe zu traditionellen ArbeiterInnenquartieren und durchaus im modernen architektonischen Stil gebaut.
Als Schutzpatron dieser neuen Kirchen bot sich vor allem der Heilige Josef als biblischer Tischler (und somit Arbeiter) und verständnisvolle Vaterfigur besonders an. Auch wurde dieser Prozess von einer theologischen Orientierung auf die Jesus-Verehrung und auf eine Art Urchristentum begleitet. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden diese Maßnahmen radikal beendet.
Zu Gast
XXXn ist Kulturwissenschafter
Tipps
Zum Lesen:
- Andreas Suttner: Das schwarze Wien. Bautätigkeit im Ständestaat 1934 bis 1938. Wien 2017
- Alfred Pfoser, Béla Ráski, Hermann Schlösser: Maskeraden. Eine Kulturgeschichte des Austrofaschismus. Wien 2024
- Jan Tabor: Kunst und Diktatur. Architektur, Bildhauerei, Malerei in Österreich, Deutschland, Italien, Sowjetunion 1922 bis 1956. Katalog Wien 1994
Der Ort
Neubadgasse 6, 1010
In der Neubadgasse 6 im Ersten Wiener Bezirk befand sich das erste Elektrizitätswerk Wiens. Das 1889 eröffnete Kraftwerk erzeugte Strom durch Verfeuerung von Kohle und belieferte vor allem wohlhabende und fortschrittsorientiere adelige und bürgerliche Haushalte in unmittelbarer Umgebung. Die geringe Leistung und die große Nachfrage an Elektrizität machten den Betrieb des Kraftwerks bald unrentabel. Heute befindet sich dort die Umspannzentrale der Wien Energie an diesem Platz.
Das Thema
These
Die zunehmende Elektrifizierung der Wiener Haushalte entwickelte sich entlang der Diskussionen um Sicherheit, Energieversorgung und geopolitischen Entwicklungen im Energiesektor.
Zu Gast
Christian Stadelmann ist Kulturwissenschafter und Kustos für den Bereich „Alltag“ im Technischen Museum Wien. Dort betreut er unter anderem die Sammlung Haushaltsgeräte und städtische Infrastruktur.
Tipps
Zum Lesen:
- Wolfgang Schivelbusch: Lichtblicke. Zur Geschichte der künstlichen Helligkeit im 19. Jahrhundert. Frankfurt 2004.
- Viktoria Arnold: Als das Licht kam. Erinnerungen an die Elektrifizierung. Wien 2003.
Zum Schauen:
Dziga Vertov: Das elfte Jahr. UdSSR 1928.
DVD herausgegeben vom Filmmuseum.
Der Ort
Simmeringer Hauptstraße 234, 1110
Der Zentralfriedhof ist der zweitgrößte Friedhof Europas und umfasst mehr als 2,3km². Als man in den 1860er Jahren einen Ort für eine große zentrale Bestattungsstelle suchte, wurde das Areal in Simmering nicht zufällig ausgewählt. Es sollte außerhalb der Stadt liegen aber verkehrstechnisch erschließbar sein. Wichtig war bei der Entscheidung, dass der Boden wichtige Bedingungen erfüllte: Ein hoher Lössanteil für die Gartengestaltung und als notwendige Voraussetzung für die rasche Verwesung der Leichen, eine tektonische Beschaffenheit, die eine toxische Gefährdung des Grundwassers verhindert und dass die Luftströme sich nicht zur Stadt bewegen. Seit seiner Eröffnung 1874 fanden hier mehr als 3 Millionen Menschen ihre letzte Ruhestätte.
Das Thema
Friedhöfe innerhalb urbaner Siedlungsgebiete sind erst mit Aufkommen christlicher Beerdigungsrituale entstanden. Im Zuge der Aufklärung und zunehmender Bodenknappheit expandierender Städte im 18.Jahrhundert wurden die Rufe zur Verlegung der Friedhöfe außerhalb des Stadtgebietes lauter. Als aufgrund des rapiden Wachstums die Vorstadtfriedhöfe die Toten der Hauptstadt nicht mehr aufnehmen konnten und die Kirche inakzeptable Finanzforderungen hinsichtlich Bewirtschaftung der Gräber stellte, wurde 1863 im Gemeinderat der Bau eines großen zentralen kommunalen Friedhofs beschlossen. Der Zentralfriedhof wurde 1874 eröffnet und war ursprünglich als überkonfessioneller Friedhof geplant. Am Friedhof entzündeten sich aber bald politische, wissenschaftliche und kulturelle Debatten, die die jeweiligen zeithistorischen Diskurse widerspiegelten. Der „Zentral“ entwickelte sich über die Jahre auch zu einem Repräsentationsort der Ersten und Zweiten Republik und ist heute aufgrund seiner Diversität ein Spiegelbild gesellschaftlicher Veränderungen.
These
Der Zentralfriedhof ist nicht nur die letzte Ruhestätte für über 3 Millionen Verstorbenen, sondern bildete auch eine Projektionsfläche für politische, kulturelle und medizin-wissenschaftliche Diskurse seit über 150 Jahren.
Zu Gast
Veronika Barnaš ist Kulturwissenschafterin, Kuratorin und Filmemacherin. Gegenwärtig schreibt sie an ihrer Doktorarbeit zu den Arbeitsbedingungen von Schausteller*innen.
Tipps
Zum Lesen:
Werner T.Bauer: Wiener Friedhofsführer. Wien 2004
Zum Informieren und Verkosten:
Faltpläne, Kaffeetassen und Friedhofsbienenhonig:
https://shop.friedhoefewien.at/
Zum Vorbereiten:
Bestattungsmuseum am Wiener Zentralfriedhof. Simmeringer Hauptstraße 234.
Öffnungszeiten: Mi, Do, Fr: 10.00-16.00.
https://www.bestattungsmuseum.at/
Zum Einstimmen:
Wolfgang Ambros: Es lebe der Zentralfriedhof. Bacillus Records. 1975
Der Ort
Ottakringer Straße 2227, 1160
Der Ottakringer Kirtag findet seit den 1970er Jahren jedes Jahr am vorletzten Septemberwoche auf der Ottakringer Hauptstraße im 16.Bezirk statt. Auch auf diesem Kirtag, der mitten in einem proletarischen und migrantisch geprägten Bezirk stattfindet, bieten Schausteller*innen zahlreiche Fahrgeschäfte an.
Das Thema
Die Berufsgruppe der Schausteller*innen definiert sich über das Betreiben sogenannter Belustigungsgeschäfte. Heute kennt man sie vor allem als jene Personengruppe, die auf Kirtagen und Messen unterschiedliche Fahrgeschäfte (Karusselle, Autodrome, Schiffschaukeln, …) oder mobile Gastronomiebetriebe (Zuckerwatte, Süßigkeiten, …) betreiben.
Über viele Jahrhunderte hatte aber diese Berufsgruppe noch viele andere Funktionen. Sie war nicht nur Versorgerin von wichtigen Güter für entlegene Ortschaften, sie bot ebenfalls medizinische oder Informationsdienste an bzw. organisierte populär-wissenschaftliche Schauen. Damit stand sie immer an der Schnittstelle von Handel, Unterhaltung, Information und Sensationslust.
Wenig bekannt ist aber, wie die Schausteller*innen über die Jahrhunderte ihr Leben und ihren Alltag organisiert haben und wie sich die heutige Generation dieser Gewerbetreibenden neuen Herausforderungen durch Digitalisierung und Globalisierung stellen.
These
Das Gewerbe der Schausteller*innen entwickelte sich über die Jahrhunderte von einem Anbieter von Waren, Information und harmlosen Unterhaltungen zu einem High-Tech orientierten Nischenanbieter von körperlich fordernden Belustigungsbetrieben in schrumpfenden öffentlichen Räumen.
Zu Gast
Veronika Barnaš ist Kulturwissenschafterin, Kuratorin und Filmemacherin. Gegenwärtig schreibt sie an ihrer Doktorarbeit zu den Arbeitsbedingungen von Schausteller*innen.
Tipps
Zum Lesen:
- Florian Dering: „olksbelustigungen. Eine bildreiche Kulturgeschichte von den Fahr-, Belustigungs- und Geschicklichkeitsgeschäften vom 18.Jahrhundert bis zur Gegenwart. 1986
- Sacha-Roger Szabo: Rausch und Rummel. Attraktionen auf Jahrmärkten und in Vergnügungsparks. Eine soziologische Kulturgeschichte. 2006
Zum Schauen:
Kurzfilm „Fahren“ von Veronika Barnaš; Link: www.veronikabarnas.net
Der Ort
Brigittenauer Sporn 7, 1200
Der Donaukanal ist einer der ehemaligen fünf großen Arme der an Wien vorbeifließenden Donau. Bis zur Donauregulierung 1870-75 und vor der Ausdehnungsbewegung der Stadt bis zum Hauptarm der Donau war der Kanal die wichtigste schiffbare Transportstraße. Der Kanal ist insgesamt 17.3km lang und weist eine Breite zwischen 50-70m auf.
Das Thema
Lange Zeit war der heutige Donaukanal der Hauptarm zur Versorgung der Stadt für Güter, die per Schiff transportiert wurden. Das mittelalterliche Stapelrecht, welches die durchreisenden Kaufleute zwang, ihre Ware eine Zeitlang in Wien feilzubieten, machte die Hauptstadt zu einem wichtigen Handelszentrum. So siedelten sich entlang des Donauarmes zahlreiche Gewerbe- und Handwerksbetriebe an, die in direktem Zusammenhang mit den transportierten Gütern standen. Vor allem Holz-, Nahrungsmittel- und Speditionsbetriebe waren entlang des Kanals zu finden. So gab es um die Innere Stadt entlang des Kanals auch zahlreiche Märkte.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Donaukanal immer wieder befestigt und reguliert, seine endgültige Form erhielt er im Zuge der Donauregulierung 1870-75 und den nachfolgenden Errichtungen von Schleusen und Kaimauern. Auf seiner ganzen Länge finden sich unterschiedlichste Nutzungen wieder: proletarische Massenquartiere, bürgerliche Prachtbauten, Verwaltungs- und Militäreinrichtungen, Industriebetriebe und Aulandschaften. Während des 2.Weltkriegs wurden große Teile des Kanals zerstört, seitdem steht das Gewässer immer wieder im Mittelpunkt stadtplanerischer Überlegungen. Gegenwärtig entwickelt er sich vor allem zu einem der wichtigsten Freizeit- und Erholungsgebiete im Stadtzentrum.
These
Der Donaukanal entwickelte sich über die Jahrhunderte von einem der wichtigsten Versorgungs- und Transportlinien zu einer agilen Zone urbaner Freizeit- und Arbeitsgestaltung.
Tipps
Zum Lesen:
- Hermann Hetzmannseder, Andreas Belwe: Donaukanal. Eine Hommage. 2018.
- Heilfried Seemann, Christian Lunzer: Wiener Donaukanal 1880-1960. 2010. Sonderzahl, Wien 2020
Zum Nachschauen:
Zum Flanieren:
Der Ort
Börsenplatz 1, 1010
Das Gebäude wurde 1873 errichtet und diente als Zentrale der k.k. Post und Telegrafenverwaltung. Ursprünglich ausschließlich für die Übersendung von Post- und Telegrafien gedacht wurde das Gebäude 1876 zum Hauptsitz für das Rohrpostwesen umgebaut. Symbolisch wurde am Haupttrakt eine um den Globus sitzende Figurengruppe mit dem Götterboten Hermes angebracht. Bis 1996 wurde das Gebäude von der Post als Verwaltungsgebäude genützt. Nach mehrerer Jahre Leerstand wurde es an einen Immobiliengruppe verkauft, die es zu einem der teuersten Wohnadressen unmittelbar hinter der Börse umbaute.
Das Thema
Die Entwicklung des Rohrpostwesens in Wien
Das moderne Finanz- und Verwaltungswesen, welches sich im 19.Jahrhundert im städtischen Raum etablierte, benötigte dringend ein Transportwesen, um Telegramme, Briefe oder kleinere Gegenstände sicher und schnell durch die Stadt transportieren zu können. Überfüllte Straßen und nicht ausgebaute Verkehrswege erschwerten die rasche Übersendung von wichtigen Nachrichten.
Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurden Überlegungen angestellt, Briefe unterirdisch in Röhren zu transportieren. Der Durchbruch gelang aber erst mit der Entwicklung der Kompressoren Technik, die vor allem im Vorfeld von pneumatischen Transportsystemen zur Verfügung. Wien errichtete 1876 als einer der ersten europäischen Metropolen ein umfassendes Rohrpostsystem ein, in dem Nachrichten in metallischen Zylindern mit Hilfe von Druckluft durch ein weit verzweigtes Röhrensystem geschossen wurden. Das System war sogar so erfolgreich, dass man kurzzeitig über den Transport von Leichnamen in einem eigenen pneumatischen Transportsystem nachdachte.
Am Höhepunkt der Rohrpost 1913 wurden mehr als 5 Millionen Sendungen vorgenommen. Mit der Zeit nahm die Bedeutung des Rohrpostsystem ab, 1956 wurde der offizielle Postbetrieb ganz eingestellt. Seitdem gibt es nur mehr in privatgeschäftlichen Zusammenhänge Rohrpostsysteme (Bibliotheken, Apotheken, Krankenhäusern,…).
Slides
- In England begann man schon 1863, Frachten per Luftdruck durch Röhren zu versenden
- 1875 wurde in Wien das Rohrpostsystem mit Anfangs 11.8km Länge eingerichtet
- Im Gegensatz zu anderen Städten war das System von Anfang in öffentlicher Hand und fand ungemeinen Zuspruch
- In Wien gab es eigene rote Postkästen nur für Rohrpostsendungen (neben den Gelben für die allgemeine Post)
- Am Höhepunkt des Rohrpostwesens wurden 1913 mehr als 5 Millionen Sendungen in der Stadt verschickt
- Die Postverwaltung garantierte die Zustellung von Sendungen von Absenden bis Übermittlung innerhalb von 2 Stunden
- Eine Zeitlang wurde auch der Transport von Verstorbenen zum Zentralfriedhof über pneumatische Züge diskutiert, dies wurde jedoch nie verwirklicht
- 1956 wurde aufgrund von modernen Kommunikationsmitteln die Rohrpost eingestellt
- In vielen Betrieben und Einrichtungen wird nach wie vor das System der Rohrpost effizient eingesetzt (Krankenhäuser, Bibliotheken, Banken,…)
Tipps
Zum Lesen:
- Ingmar Arnold: Luft-Züge. Die Geschichte der Rohrpost. Berlin 2016
Florian Brand: Rohrpost: Zur Kulturgeschichte einer bürokratischen Technik. In: Schriften zur Verkehrswissenschaft 44. Bürokratiepolitiken. Verlag Sonderzahl, Wien 2020
Zum Schauen:
Brazil (1985)
Der Hauch des Todes (1987)
Lucky Logan (2017)
John Wick – Chapter 4 (2023)
Die Sendung mit der Maus – Rohrpost
Zum Betrachten:
Technisches Museum Wien, Abteilung medien.welten
Der Ort
Jesuitenwiese, Volksstimmefest
Die im Wiener Prater liegende Jesuitenwiese war bis 1773 im Besitz des Ordens. Mit der unter Kaiser Josef II verordneten zwanghaften Auflösung des Jesuitenordens wurde die Wiese konfisziert und gleichsam verstaatlicht. Wurden schon in der Zwischenkriegszeit auf der Wiese Volksfeste gefeiert, zelebriert die ehemalige Tageszeitung der KPÖ seit 1946 einmal jährlich am ersten Septemberwochenende ein großes mehrtägiges Volksfest.
Das Thema
Sigi Maron war einer der bekanntesten kritischen Liedermacher in Österreich. Geboren 1944 in Baden bei Wien infizierte er sich als Jugendlicher mit Kinderlähmung und war seitdem nur mit Hilfe eines Rollstuhls mobil. Maron engagierte sich schon früh politisch und richtete sein künstlerisches Schaffen auf soziale und emanzipatorisch Fragestellungen aus. Er engagierte sich u.a. in der Friedens- und Anti-Atomkraftbewegung und war Mitglied der KPÖ, zu der immer auch ein kritisches und differenziertes Verhältnis hatte.
Maron schrieb seine Liedtexte in Dialekt und gebrauchte oft eine sehr heftige und direkte Wortwahl. Er schrieb aber auch sanfte Liebesballaden und war auch literarisch aktiv. Lange Zeit wurde er aufgrund seines politischen Engagements im österreichischen Rundfunk nicht gespielt, erst in den 2000er Jahren wurde sein Werk auch einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert. Berühmt waren auch Marons legendäre Live-Auftritte, wie die in der Arena 1976 oder auf den diversen Volksstimme-Feste. Kaum ein anderer Künstler stand wie Sigi Maron für ein politischen und soziales Engagement, welches prägend für die österreichische Linke in den 1970er und 80er Jahre war. Maron verstarb 2016, heuer hätte er seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert.
Zu Gast
Margit Niederhuber ist Romanistin, Produzentin, Künstlerin und ausgewiesene Fachfrau für den afrikanischen Kontinent. Sie verbindet ihr kreatives und wissenschaftliche Arbeiten mit politischen Fragestellungen und ist u.a. sowohl in der Friedens- wie auch Frauenbewegung aktiv. Dieses Jahr hat sie gemeinsam mit Walter Gröbchen das Sigi-Maron-Lesebuch: „Redn kaun ma boid“ herausgegeben.
Tipps
Zum Lesen:
- Margit Niederhuber, Walter Gröbchen: Redn kam ma boid. Wien 2024
- Christiane Fennesz-Juhasz: Kritische Lieder und Politikrock in Österreich. Eine analytische Studie. Wien 1995
- Philipp Maurer: Danke. Man lebt. Kritische Lieder aus Wien 1968-83. Wien 1987
Zum Hören:
Sigi Maron: San aufn Weg. CD 2017
Zum Schauen:
- Kätze Kratz: Atemnot. 1984
Der Ort
Caorle, Italien. Die Stadt Caorle ist einer wichtigsten Tourismuszentren der nördlichen Adria und weist eine über 2000 Jahre alte Geschichte auf. Die Siedlung geht bis auf Römerzeit zurück und war schon damals ein wichtiger Handels- und Fischereihafen. Seit dem Mittelalter befindet sich die Stadt im Einflussgebiet der mächtigen und unmittelbar benachbarten Republik Venedig. Dominierte bis in die 1950er Jahre die Agrarindustrie das Wirtschaftsleben, entwickelte sich seitdem der Tourismus als wichtiger Einkommensfaktor.
Das Thema
Caorle ist seit den 1950er Jahren einer der beliebtesten Ferienorte für ÖsterreicherInnen. Dabei steht das Städtchen idealtypisch für eine ganze Reihe von Orten, die sich zwischen Caorle und Grado als Feriendomizile etablierten. Neben den beiden erwähnten Tourismuszentren stehen auch Bibione, Lignano und Jesolo für familiären sommerlichen Badeurlaub.
Seit den 1950er Jahren entwickelten sich diese Städte und Dörfer zu Sehnsuchtsorte für viele ÖsterreicherInnen. Während das noble Grado schon in der Monarchie eine wichtige Rolle als Kur- und Erholungsort innehatte, wurde nun der Küstenstreifen von Jesolo bis Lignano zum beliebten Ferienziel. Maßgeblich spielte dabei der Ausbau der Straßeninfrastruktur (Autobahnen) und der enorme Anstieg des motorisierten Individualverkehrs eine tragende Rolle. In diesem Zusammenhang wurde im Rahmen des Wirtschaftswunders auch für viele proletarische und kleinbürgerliche Familien der Strandurlaub im sonnigen Italien leistbar. Verdrängt wurde der klassische Bildungsurlaub durch den Erlebnistourismus. Statt Ruinenbesichtigung stand nun das günstige „Dolce far niente“, Sandburgenbau und in der Sonne braten im Vordergrund. Am Höhepunkt kamen über 9 Millionen TouristInnen pro Jahr in diese Orte, im Zuge der Änderungen der Tourismusströme sind es nun „nur“ mehr 6 Millionen. Mit den 1960er gerieten die Orte oft in Verruf als typische „Hausmeisterstrände“, für Reisende mit Distinguierungswunsch wurden seitdem exotischere Urlaubsziele attraktiver. Gerade Lignano kämpft in den letzten Jahren auch gegen einen Ballermann-Tourismus, der vor allem durch vergnügungssüchtige junge KurzurlauberInnen aus Österreich und Süddeutschland hervorgerufen wird.
- Grado wurde schon 1892 zur „k.u.k. Kur- und Badeanstalt“ erhoben
- Seit den 1950er wurden die nordadriatischen Städte und Dörfer zu den beliebtesten Urlaubszielen der ÖsterreicherInnen
- Der Ausbau der Autobahnen und die individuelle Massenmotorisierung legten den Grundstein für den Tourismusboom
- In Caorle schrieb Ernest Hemingway seiner Ansicht nach wichtigsten Roman: Über den Fluss und in die Wälder
- Früher kamen bis zu 9 Millionen Touristen pro Saison in die nördliche Adria, heute sind es immer noch über 6 Millionen
- Trotz gesunkener Zahlen ist die Adria immer noch die beliebteste ausländische Urlaubsdestination der ÖsterreicherInnen
Tipps
Zum Lesen:
- Pier Paolo Pasolini: Die lange Straße aus Sand. Italien zwischen Armut und Dolce Vita. Hamburg 2023
- Ernest Hemingway: Über den Fluss und in die Wälder. Hamburg 2010
- Fernand Braudel: Die Welt des Mittelmeers. Hamburg 2006
Zum Anschauen:
- arte Dokumentation: Eine lange Straße aus Sand. Pier Pasolinis Reisen durch Italien. (2018)
- Heinz Erhardt: Das kann doch unsren Willi nicht erschüttern. (1970)
Der Ort
Neusiedl am See, 7100. Der Neusiedler See gehört zu den größten Steppenseen Europas, welcher überwiegend von Regen- und Grundwasser gespeist wird. Das 320km² große Gewässer besitzt keinen natürlichen Abfluss und nur zwei kaum nennenswerte Zuflüsse. Geologisch entstand es erst vor ungefähr 13.000 Jahren. Die Theorie, dass der See das Überbleibsel eines urzeitlichen Meeres sei, wurde spät widerlegt. Aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften zeigt sich der See in seiner Form als instabil. So neigt er immer wieder zu Überflutungen und Überschwemmungen, aber auch zum zwischenzeitlichen Austrocknen. Der berühmte Schilfgürtel entstand erst durch Eintrag von Dünger durch die umliegende Landwirtschaft.
Das Thema
Der Neusiedler See wurde spät als großer „Badeteich“ der Wiener*innen erschlossen. Nachdem das Burgenland erst 1921 an Österreich fiel, wurde das Gebiet zögerlich touristisch erschlossen. Ab Mitte der 1920er Jahre wurden erste Badeanstalten am See eingerichtet – der Werbeslogan, der den Neusiedler See als „Adria der Wiener“ titulierte, war geboren. Hauptproblem stellte die verkehrstechnische Erschließung dar. Das Burgenland war infrastrukturell unterentwickelt, Bahn- und Straßenverbindungen waren spärlich. Die Überlegung der Einrichtung einer Schnellschwebebahn zwischen Wien-Mitte und Rust musste aufgrund der Wirtschaftskrise Ende der 1920er abgebrochen werden. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das Burgenland als Tourismusland. Dabei bediente man die Klischees des gesetzten, genießerischen Südens mit ungarischem Puszta-Flair im Gegensatz zum alpinen reschen Bergimage. Erst mit der Motorisierung breiterer Bevölkerungsschichten mit Hilfe der boomenden Automobilindustrie wurde der Neusiedler See für viele Ostösterreicher*innen attraktiv. In den 1960er gab es sogar weitgediehene Pläne für die Errichtung einer mehrspurigen Autobahn quer über das Gewässer. Dieses Bauvorhaben wurde von der ersten breiten ökologischen Protestbewegung in Österreich Anfang der 1970er Jahre verhindert. Aber nicht nur aufgrund seiner ökologischen Eigenschaften ist der See einzigartig, auch wegen seiner Eigentumsverhältnisse. Der See gehört zu 44% einer einzigen Familie, nämlich dem Adelsgeschlecht der Esterházys. Nach wie vor erfreut sich die Adria der Wiener großer Beliebtheit, da sie nicht nur hohe Wassertemperaturen, sondern auch ideale Segel- und Sportmöglichkeiten aufweist und auf kurzem Weg für den Tagestourismus erreichbar ist.
Tipps
Zum Lesen:
Leopold Redl, Hans Wösendorfer: Die Donauinsel. Ein Beispiel politischer Planung in Wien. Wien 1980
Zum Anschauen:
Youtube Videokanal von Bernhard Rennhofer: Die größte Baustelle in der Geschichte von Wien. So wurde die Donauinsel in Wien gebaut.
https://www.youtube.com/watch?v=EVe1byxe6GY
Zum Mitfeiern:
Falco Konzert auf der Donauinsel 1993. Auf Youtube.
https://www.youtube.com/watch?v=bqseW3ZItxA
Der Ort
Dechantweg, 1220. Die Wiener Lobau ist größeren Teils Landschafts- und zum kleineren Naturschutzgebiet. Mit insgesamt 22km² stellt es für eine Metropole in der Größe Wiens eine ökologische Ausnahme dar, da sich in keiner anderen europäischen Hauptstadt unmittelbar ein Naturschutzgebiet befindet. Die Auenlandschaft dehnt sich vom Osten Wiens bis zur March an der slowakischen Grenze aus und stellt einer der wichtigsten Tier- und Pflanzenreservate Mitteleuropas dar.
Das Thema
Aufgrund des Status der Lobau als Landschaftsschutzgebietes ist es nur an wenigen Stellen erlaubt zu Baden. So ist nur am Mühlwasser, dem Schillerwasser, der Panozza- und der Dechantlacke das Schwimmen gestattet. Erst mit der Donauregulierung 1870-75 konnte die Lobau als Naherholungsgebiet genützt werden, da zuvor der permanent sich verändernde Donaustrom für unsichere Verhältnisse sorgte. Die vielen Wasserarme und schwer zugänglichen Stellen machten die Lobau anfangs nur eingefleischte Naturliebhaber*innen und Einsiedler interessant. Ab den 1920er Jahren entdeckte die in Mode gekommene Nudist*innenbewegung die Lobau für sich. Gerade die oben genannten Eigenschaften machten das Gebiet für diese Gruppe interessant. Die Anhänger*innen der sogenannten Lichtkultur waren vor allem in den politischen exponierten Lagern stark vertreten. Besonders die linke Arbeiter*innenbewegung aber auch rechte völkisch orientierte Parteien standen der FKK aufgeschlossen gegenüber. Keine Anerkennung fand sie hingegen im bürgerlichen christlichen Lager, während des Austrofaschismus wurden Nacktbadende in der Lobau sogar mit berittener Polizei verfolgt, verprügelt und zu empfindlichen Strafen verurteilt. Während des Nationalsozialismus wurde Anfangs die FKK-Bewegung kritisch als möglich marxistisch infiltriert beobachtet. Im Zuge der Gleichschaltung der offiziellen Vereine sahen die Nazis in der Lichtkultur keinen Widerspruch mehr zu ihrer aberwitzigen Körper- und „Zuchtwahl“-Politik.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entspannte sich aufgrund der gesellschaftlichen Liberalisierung das Verhältnis zur Nacktheit. Das Nacktbaden in der Lobau war kein Politikum mehr, weder im Sinne einer moralischen Entrüstung noch eines reformerischen Politikverständnisses. Die Lobau blieb aber aufgrund seiner vielen Rückzugsorte ein Ort einer anderen illegalen Szene, nämlich der der Cannabis- und Haschischkonsument*innen. Vor allem in den 1970ern bekam die Au durch die Verschmelzung der Konsument*innen von weichen Drogen und der Freund*innen der FKK einen hippiesken Anstrich. Mit der Zuteilung von FKK-Stränden an der Neuen Donau verlor die Lobau auch die Bedeutung fürs Nacktbaden.
Tipps
Zum Lesen:
Leopold Redl, Hans Wösendorfer: Die Donauinsel. Ein Beispiel politischer Planung in Wien. Wien 1980
Zum Anschauen:
Youtube Videokanal von Bernhard Rennhofer: Die größte Baustelle in der Geschichte von Wien. So wurde die Donauinsel in Wien gebaut.
https://www.youtube.com/watch?v=EVe1byxe6GY
Zum Mitfeiern:
Falco Konzert auf der Donauinsel 1993. Auf Youtube.
https://www.youtube.com/watch?v=bqseW3ZItxA
Der Ort
Meiereistraße 7, 1020. Das Stadionbad liegt im 2. Bezirk in unmittelbarer Nähe zum Wiener Praterstadion. Das Bad gehört zu den größten Freibädern Europas und kann bis zu 6500 badende Gäste aufnehmen. Die Anlage dient unter anderem auch zur Ausrichtung sportlicher Wettkämpfe, es besitzt als eines der wenigen Bäder ein wettkampftaugliches Schwimmbecken, einen Springturm und dazugehörige Arenaplätze. Nebenbei erfreut es sich auch großer Beliebtheit aufgrund seiner ausgedehnten, beschatteten Wiesenplätze und des Wellenbeckens.
Das Thema
Unmittelbaren nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte die sozialdemokratische Stadtregierung Konzepte hinsichtlich der Errichtung eines großen Sport- und Freizeitkomplexes, in der neben Breitensportarten auch sportliche Wettkämpfe bestritten werden können. Dabei nahm man vor allem Maß an den Sportparks in Frankfurt und Nürnberg, aber auch Anleihen aus den Bauvorhaben der noch jungen Sowjetunion. Als Ort dieses Parks wurde zuerst an die Bezirke Ottakring bzw. im Fasangarten Schönbrunn gedacht, aber aufgrund unterschiedlicher Gründe fiel die Entscheidung auf den Wiener Prater. Nach kurzer Planungs- und Bauphase wurde 1931 das Stadionbad im Zuge der 2. Arbeiterolympiade, an der 25.000 Menschen teilnahmen, gemeinsam mit dem Praterstadion eröffnet. Das Bad lag in unmittelbarer Nähe zum jüdischen Sportverein Hakoah. Im Zuge der politischen Auseinandersetzungen in der Zwischenkriegszeit kam es auch zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen jüdischen Wassersportlern und national-faschistischen Anhängern vor Ort. Während des Krieges wurde das Bad zerstört und unmittelbar nach dem Krieg rasch im erheblichen Maß vergrößert aufgebaut. Die rasche Wiederherstellung der Wiener Großbäder nach dem Krieg weist auf den außerordentlich wichtigen Stellenwert der Bade- und Freilichtkultur in den Überlegungen der Wiener Sozialdemokratie in Bezug auf Gesundheits- und Freizeitkultur hin.
Tipps
Zum Lesen:
Leopold Redl, Hans Wösendorfer: Die Donauinsel. Ein Beispiel politischer Planung in Wien. Wien 1980
Zum Anschauen:
Youtube Videokanal von Bernhard Rennhofer: Die größte Baustelle in der Geschichte von Wien. So wurde die Donauinsel in Wien gebaut.
https://www.youtube.com/watch?v=EVe1byxe6GY
Zum Mitfeiern:
Falco Konzert auf der Donauinsel 1993. Auf Youtube.
https://www.youtube.com/watch?v=bqseW3ZItxA
Der Ort
Moissigasse 21, 1220. Das Wiener Gänsehäufel im 22.Bezirk ist einer der größten europäischen Freibäder im städtischen Bereich. Das Areal umfasst mehr als 33 ha und bietet 65.000m² Wasserfläche. Das gesamte Areal ist über einen Kilometer lang und bis zu 500m breit. Das Bad ist eigentlich eine Insel, die nur über eine Brücke zu betreten ist. Bis zum Ende des 1.Weltkriegs war das Bad nur schwimmend oder mit Booten erreichbar. Insgesamt weist das Areal einen Bestand von mehr als 2.200 Bäume auf. Das Gänsehäufel wurde als erstes Wiener Bad mit einem Wellenbad ausgestattet und bietet weitere zahlreiche Sportmöglichkeiten. Seit 1981 existiert auch ein reservierter Bereich für die Anhänger*innen der Freikörperkultur (Nackbaden).
Das Thema
Das 1907 gegründete Freibad Gänsehäufel ging auf die Initiative des Reformheilkundlers und Naturfreundes Florian Berndl zurück. Das Gänsehäufel ist eine nach der Donauregulierung von 1875 im ehemaligen Hauptstrom entstandene Insel, die zuvor zu landwirtschaftlichen Zwecken genutzt wurde. Berndl richtete dort eines der ersten Freibäder in einer europäischen Metropole ein, in der sowohl Männer wie Frauen gemeinsam baden durften. Das Bad erhielt vor allem in liberalen bürgerlichen Schichten so großen Zuspruch, dass die konservative Stadtverwaltung unter der Leitung von Karl Lueger diesem für sie suspekten Treiben ein Ende setzen wollte. Berndl wurde in Folge die Pacht unter fadenscheinigen Gründen entzogen und das Gänsehäufel wurde ein kommunal verwaltetes Freibad. Die Errichtung der Einrichtung fiel in eine Epoche einer umfassenden, größtenteils bürgerlichen Reformbewegung, die von einem differenzierten Körperbewusstsein bis zur Neubewertung von Sexualität reichte. Nach dem Ersten Weltkrieg zog es vor allem auch Proletarier*innen ins Bad, das Gänsehäufel entwickelte sich seitdem zum sprichwörtlichen „Lido“ der Wiener*innen.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden große Teile des Bades zerstört, der rasche Wiederaufbau erfolgte architektonisch im Stil der Neuen Sachlichkeit, die bewusst Abstand zum großsprecherischen faschistischen Baukitsch, aber auch zu einem vorgeblich revolutionären Zwischenkriegspathos nahm.
An heißen Tagen baden dort bis zu 20.000 Menschen. Das Bad stellt einen eigenen Mikrokosmos mit Restaurants, Sportanlagen und sogar einem Kasperltheater für Kinder dar
Tipps
Zum Lesen:
Leopold Redl, Hans Wösendorfer: Die Donauinsel. Ein Beispiel politischer Planung in Wien. Wien 1980
Zum Anschauen:
Youtube Videokanal von Bernhard Rennhofer: Die größte Baustelle in der Geschichte von Wien. So wurde die Donauinsel in Wien gebaut.
https://www.youtube.com/watch?v=EVe1byxe6GY
Zum Mitfeiern:
Falco Konzert auf der Donauinsel 1993. Auf Youtube.
https://www.youtube.com/watch?v=bqseW3ZItxA
Der Ort
Donauinsel. Von der „Pissrinne“ zum Freizeitparadies
Die Donauinsel wurde zwischen 1972 und 1988 auf insgesamt 21,1km Länge quer durch die Stadt parallel zur Donau gelegt. Mit der Schaffung einer künstlichen Insel setzte man städtebaulich neue Maßstäbe: So weist die Donauinsel insgesamt 380 ha hochwasserfreie Fläche auf, zusätzlich wurden 330ha Wasserfläche für die Öffentlichkeit bereitgestellt. Insgesamt wurden 135km Wege errichtet und für die Begrünung 1.8 Millionen Bäume und Sträucher gepflanzt sowie 170ha Wald angelegt. Berühmt wurde die Donauinsel auch mit dem jährlich stattfindenden Donauinselfest, einer der größten Freiluft-Veranstaltungen weltweit, mit über 3 Millionen BesucherInnen am Veranstaltungswochenende.
Das Thema
Mit der Donauregulierung 1870-75 glaubte man den verheerenden Hochwassern der Donau im Wiener Raum ein Ende gesetzt zu haben. Jedoch musste man nach dem Hochwasser von 1954 erkennen, dass die Dämme und das Überschwemmungsgebiet für Jahrhunderthochwasser keinen ausreichenden Schutz boten. Nach langen Diskussionen über unterschiedliche Lösungsansätze beschloss die Stadtregierung den Bau des sogenannten Entlastungsgerinnes parallel zur Donau. Was am Anfang nur als schnurgerader Damm mit steiler Böschung und möglicher Bebauung auf dem Damm gedacht war, entwickelte sich aufgrund der beharrlichen Interventionen von Raum- und Städteplanern zum heutigen Freizeitpark und Grünstreifen mitten in der Stadt. Aber auch gesellschaftspolitische und soziale Veränderungen nahmen maßgeblich Einfluss auf die heutige Form. Eine neue Freizeitkultur entstand als Folge der Arbeitszeitverkürzung, aber auch der Wunsch nach Erholungsgebieten im unmittelbaren Umfeld, um den explodierenden motorgestützten Individualverkehr einzudämmen.
Tipps
Zum Lesen:
Leopold Redl, Hans Wösendorfer: Die Donauinsel. Ein Beispiel politischer Planung in Wien. Wien 1980
Zum Anschauen:
Youtube Videokanal von Bernhard Rennhofer: Die größte Baustelle in der Geschichte von Wien. So wurde die Donauinsel in Wien gebaut.
https://www.youtube.com/watch?v=EVe1byxe6GY
Zum Mitfeiern:
Falco Konzert auf der Donauinsel 1993. Auf Youtube.
https://www.youtube.com/watch?v=bqseW3ZItxA
Der Ort
Weihburggasse 18-20, 1010.
Das Kaiserbründlbad in der Weihburggasse 18-20 im Ersten Wiener Bezirk wurde 1889 gegründet. Am Anfang hieß es Central-Bad und war von Anfang an als exklusives Bad mit Wellness-Bereich angelegt. Das Bad zeichnet sich durch seine im orientalischen Stil gehaltene Einrichtung aus und fungiert heute als Herren- bzw. Gaysauna.
Das Thema
1905 ereignete sich in der Wiener Gesellschaft ein Skandal, in dem der leibliche Bruder des Kaisers Franz-Josef, der Erzherzog Ludwig Viktor, angeblich einen Mann im damaligen Centralbad Avancen gemacht hätte und dieser ihn darauf ohrfeigte. Ludwig Viktor wurde endgültig vom Hof verbannt und musste ins gesellschaftliche Exil nach Salzburg ziehen. In der konservativen Hauptstadt gab es kaum Plätze oder Orte, an den sich queere Menschen treffen oder Kontakte schließen konnten, ohne sanktioniert zu werden. Der berüchtigte Paragraph 129lB stellte Homosexualität unter Strafe. Bis zu seiner Abschaffung 1971 wurden tausende Homosexuelle verurteilt und diskriminiert, besonders schlimm war die Verfolgung während des Nationalsozialismus. Um ein Mindestmaß an sozialem Leben zu ermöglichen, mussten sich Schwule und Lesben besondere, gut versteckte oder getarnte Orte schaffen. Cafés, Schwimmbäder oder öffentliche Bedürfnisanstalten waren oft die einzigen Plätze, an denen man Menschen mit gleicher sexueller Orientierung treffen konnte. Wie diese Orte aussahen und wo sie sich befanden, handelt diese Folge der Geschichtsgreißlerei.
Zu Gast
Andreas Brunner ist Kulturwissenschafter, Autor, City-Guide und Aktivist. Er leitet auch das Forschungszentrum QWIEN.
Tipps
Zum Lesen:
Andreas Brunner: Als homosexuell verfolgt: Wiener Biografien aus der NS-Zeit. Wien 2023
Zum Abgehen:
- Queere Stadtführungen. Veranstaltet durch QWIEN. Buchungen unter: https://www.qwien.at/queere-stadtfuehrungen-queere-spezialfuehrungen/
Zum Anschauen:
- Theaterstück: Luziwuzi. Ich bin die Kaiserin. Aufführungen im Rabenhoftheater.
https://www.rabenhoftheater.com/programm/luziwuzi