Der Ort

Am Hauptbaohnhof 1, 1100 Wien
Der Wiener Südbahnhof war bis ins 21. Jhdt. der größte Bahnhof des Landes. 2012 wurde der Name „Wien Südbahnhof“ das letzte Mal im Bahnbetrieb genutzt, heute steht dort der neue Hauptbahnhof, nur die ehemalige unterirdische S-Bahn-Haltestelle wird als einziger Betriebsteil des ehemaligen Südbahnhofs noch unter dem Namen „Wien Quartier Belvedere“ genutzt. In Erinnerung bleibt die voluminöse Kassenhalle als „Tempel des Fortschritts“.

In der Erinnerung vieler Menschen hatte der Südbahnhof noch eine ganz andere Funktion. Als eine Art erweitertes Vorzimmer, als Raum für Zusammenkunft, Austausch, Nachrichtenweitergabe und auch als Postamt und nicht zuletzt als ein Fenster in Welt, aus der sie gekommen waren, um durch harte Arbeit und viel Fleiß trotz aller Entbehrungen ein besseres Leben zu schaffen. Der Südbahnhof war Anziehungspunkt für viele Arbeitsmigrant*innen vor allem aus Südosteuropa der 1960er, 70er und 80er Jahre.

Das Thema

Andreas und Walter sprechen 60 Jahre nach dem „Anwerbeabkommen“ zwischen Österreich und Jugoslawien mit der Expertin Julia Tyll-Schranz über staatlich organisierte und individuelle Arbeitsmigration von Jugoslawien nach Österreich in der zweiten Hälfte des 20. Jhdts. Sie sprechen über die Rahmenbedingungen der Migration, Motive dafür und Einzelschicksale von Migrant*innen.

Zu Gast

Julia Tyll-Schranz ist Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am VGA (Verein Geschichte der Arbeiter*innenbewegung). Zu ihren inhaltlichen Schwerpunkten gehört Asylgeschichte in Österreich und die Migration von Menschen aus Jugoslawien.

Tipps

Zum Lesen:

  • Vida Bakondy, Renée Winter, Marginalisierte Perspektiven.
    Kontinuitäten der Arbeitsmigrationspolitik in Österreich,
    Zeitgeschichte 40, 1 (2013), 22-34.
  • Mišo Kapetanović, „Yugoslav Labor Migrants Emerging as the Austrian
    Working Class (1960-1980),“ Zeitgeschichte 49, 1 (2022), 87-110,
    https://doi.org/10.14220/zsch.2022.49.1.87.
  • Verena Lorber, Angeworben. GastarbeiterInnen in Österreich in den
    1960er und 1970er Jahren (Göttingen 2017).
  • Brigitte Le Normand, Citizens without Borders. Yugoslavia and Its
    Migrant Workers in Western Europe (Toronto 2021).
  • Miranda Jakiša, Katharina Tyran (Hg.), Südslawisches Wien. Zur
    Sichtbarkeit und Präsenz südslawischer Sprachen und Kulturen im Wien
    der Gegenwart (Wien/Köln/Weimar 2022).
  • Julia Anna Tyll-Schranz, Freundinnenschaft. Aus der Lebensgeschichte
    einer jugoslawischen Arbeitsmigrantin. In: fernetzt. Junges
    Forschungsnetzwerk Frauen- und Geschlechtergeschichte, online unter:
    https://fernetzt.univie.ac.at/20240115-2/.
  • Julia Anna Tyll-Schranz, “Yugoslavia does not exist anymore, but
    Yugoslavia’s capital does, and it is called Vienna.” Revisiting Vienna
    through the lens of (Post-)Yugoslav migration practices. In: Journal
    for Austrian Studies 56/4 (2023) 55–64, online unter:
    https://doi.org/10.1353/oas.2023.a914874.

 

Weiteres:


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